188 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.
doppelt so grofs wie diejenige der Glanzzeit der kalifornischen undaustralischen Goldfunde, und sie ist dem Werte nach um 80 Prozentgröfser als die damalige Gold- und Silberproduktion zusammen.
Vom Beginn des Jahres 1891 an bis zum Ende des Jahres 1900sind für etwa 8,9 Milliarden Mark Gold produziert worden gegen etwa4,5 Milliarden ini Jahrzehnt 1881 bis 1890. Der zu Geldzweckendienende Goldvorrat der Welt wurde für das Jahr 1890 auf etwa15 Milliarden Mark geschätzt. Von der Neugewinnung dürften etwa250 Mill. Mark pro Jahr in der Industrie Verwendung gefunden haben;es blieben dann von der Goldgewinnung des letzten Jahrzehnts für Geld-zwecke verfügbar etwa 6,4 Milliarden Mark. Dadurch hätte der Gold-geldbestand der Welt von 1890 bis 1900 eine Vermehrung von 15 aufmehr als 21 Milliarden Mark, d. h. um nahezu die Hälfte, erfahren.
Wie die grofsen Goldfunde der 50 er Jahre, so hat auch diese nochgewaltigere Vermehrung des Goldvorrats eine starke Ausdehnung desmonetären Goldgebrauchs zur Folge gehabt. Die Steigerung der Gold-gewinnung hat — in einigen wichtigen Staaten zusammen mit einerBesserung der Finanzlage während einer langen Friedenszeit — denÜbergang grofser Wirtschaftsgebiete zur Goldwährung oder wenigstenszu einer der Goldwährung nahekommenden WährungsVerfassung er-möglicht, einen Übergang, der infolge der fortgesetzten Silberentwertungdoppelt dringlich erschien.
Zunächst haben Österreich-Ungarn und Rufsland daraufBedacht genommen, die Goldwährung einzuführen, und sie haben zudiesem Zwecke einen grofsen Teil des neuen Goldes in den Kassenihrer Finanzverwaltung und ihrer Centraibanken angesammelt. Rufs-land allein hat von 1891 bis 1899 eine Mehreinfuhr von Gold imBetrage von etwa 1,8 Milliarden Mark zu verzeichnen gehabt, gleich-zeitig eine eigene Goldproduktion von etwa 930 Mill. Mark. Öster-reich-Ungarn hat von 1891 bis 1900 für etwa 530 Mill. Mark Goldmehr ein- als ausgeführt. Rufslands Übergang zur Goldwährung wurdevom Jahre 1894 an schrittweise durch eine Reihe von Venvaltungs-mafsnahmen des Finanzministeriums und von Gesetzen durchgeführt;er ist zum Abschlufs gekommen durch das Gesetz vom 7./19. Juni 1899.In Österreich-Ungarn ist durch ein Gesetz vom 2. August 1892 dieGoldwährung im Prinzip angenommen worden, aber ihre Durchführungist noch zu vollenden durch die Aufnahme der Barzahlungen seitensder Österreichisch-Ungarischen Bank.
Von direktem Einflufs war die Silberentwertung für die währungs-politischen Mafsregeln Indiens, Japans und der Vereinigten Staaten .
Indien hat jährlich grofse Beträge in Gold zu zahlen, teils anZinsen für Geldanleihen, teils an Gehältern und Pensionen für englisch-indische Beamte. Die zu diesem Zwecke stattfindenden Councilbill-