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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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190
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190 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

welcher die Aufhebung der Shebman-Bill beschlossen wurde. In denfolgenden Jahren gab es heftige Kämpfe zwischen den Parteien, diesich auf der einen Seite für freie Silberprägung, auf der andern fürdie Goldwährung erklärten. Seine schärfste Zuspitzung erfuhr dieserStreit bei der Präsidentschaftswahl im November 1897, bei welcherder Kandidat der Freisilberleute Eryan gegen Mc. Kinley unterlag.

Mc. Kinivey , der aus innerpolitischen Gründen den Anhängern desSilbers entgegen kommen wollte, schickte zwar nach seinem Amtsantrittim Jahre 1898 eine Kommission nach Europa , die sich um ein inter-nationales Abkommen zu Gunsten des Silbers bemühen sollte. In Europa hatte sich inzwischen die bimetallistische Agitation nach dem heftigenPreissturz des Silbers im Jahre 1893 von neuem erhoben und nament-lich in Deutschland in Verbindung mit der agrarischen Bewegungeinen grofsen Umfang angenommen. Graf C aprivi hatte im Jahre 1894eine Kommissionbehufs Erörterung von Mafsregeln zur'Hebung undBefestigung des Silberwertes" berufen, und am 15. Februar 1895 hattesich Fürst Hohenlohe bereit erklärt, mit den Verbündeten Regie-rungen über die Zweckmäfsigkeit eines Meinungsaustauschs über dieWährungsfrage mit fremden Regierungen in Unterhandlungen zu treten.Aber die von bimetallistischer Seite auf diese Erklärung gebautenHoffnungen brachen bald zusammen. Eine Anfrage des deutschenReichskanzlers in London , ob die englische Regierung eventuell bereitsei, die indischen Münzstätten wieder für das Silber zu öffnen einSchritt, der als erste Vorbedingung für alle weiteren silberfreundlichenMafsregeln erscheinen mufste, wurde negativ beantwortet, und aufGrund dieser Antwort beschlofs der Bundesrat am 23. Januar 1896,der Resolution des Reichstags vom Februar 1895, welche die Einbe-rufung einer internationalen Münzkonferenz verlangte, keine Folge zugeben. Bald darauf (am 17. März 1896) erklärte die englische Re-gierung im Unterhause, dafs nach der einstimmigen Ansicht des Kabinettseine Preisgabe der Goldwährung für England unmöglich sei, dafs sieaber, wenn mehrere ausländische Staaten die freie Silberprägung wiederherstellten, die Öffnung der indischen Münzstätten und andere kleinereKonzessionen an das Silber in Erwägung zu ziehen bereit sei. Dasich die deutschen Bimetallisten im festen Vertrauen auf einen Siegder bimetallistischen Sache in England auf die ParoleBimetallismusnur mit England " festgelegt hatten, besiegelte diese Erklärung desenglischen Kabinetts den Zusammenbruch der Silberbewegung auf demeuropäischen Kontinent. Nur noch der heftige Wahlkampf in denVereinigten Staaten , der umGut Geld" undFrei Silber" ausgefochtenwurde, hielt das Interesse an der Währungsfrage in Europa noch füreinige Zeit wach.

So war die Lage, als im Jahre 1898 die amerikanische Silber-