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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
191
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6. Kapitel. Die Ausbreitung der Goldwährung und die Silberentwertung. §3. 191

gesandtschaft nach Europa kam. Sie fand in Frankreich , wohin siesich zunächst wendete, bei dem Kabinett Meline das weiteste Entgegen-kommen. Gemeinschaftlich mit Frankreich wurden die Verhandlungenin London fortgesetzt. Frankreich sowohl als auch die Union erklärtensich bereit, die Silberprägung auf Grundlage des alten Wertverhält-nisses von 1: 15,5 freizugeben, wobei die Freigabe der Silberprägungin allen andern Staaten, auch in England, als wünschenswert bezeichnetwurde. Nachdem England dieses Ansinnen kurzer Hand abgelehnthatte, wurden andere Propositionen gemacht, deren wichtigste dieWiedereröffnung der indischen Münzstätten für das Silber war; aufser-dem sollte England dem Silber in seiner eigenen Cirkulation einenbreiteren Raum gewähren und sich zu jährlichen Silberankäufen vonbestimmter Höhe verpflichten.

Das englische Kabinett gab die Entscheidung über die Öffnungder indischen Münzstätten in die Hand der indischen Regierung selbst.Diese sprach sich in einem ausführlich begründeten Entschlufs gegendie Wiederherstellung der freien Silberprägung aus. Die Einstellungder Silberprägung habe ihren Zweck, den Rupienkurs auf 16 d zu be-festigen, nahezu erreicht, es liege mithin in deu indischen Verhältnissenkein Grund vor, die erfolgreiche Mafsregel wieder rückgängig zumachen. Ein auf Frankreich und die Vereinigten Staaten beschränkterBimetallismus biete keine ausreichende Sicherheit für die Befestigungdes Wertverhältnisses, ein Fehlschlag des geplanten Experiments müsseaber die Lage Indiens aufs neue aufserordentlich verschlimmern.Aufserdem müsse, nachdem sich die indischen Verhältnisse dem ge-sunkenen Silberwerte und Rupienkurs angepafst hätten, eine so plötz-liche und starke Erhöhung des Silberpreises, wie sie in der von Frank-reich und Amerika proponierten Relation liege, für die gesamteindische Volkswirtschaft die verhängnisvollsten Wirkungen haben.

Mit dieser Antwort war das Schicksal der Verhandlungen end-gültig entschieden. Die amerikanischen Unterhändler kehrten zurück,und seither ist die Silberagitation so gut wie völlig verstummt.

Die Vereinigten Staaten haben sich mit den gegebenen Verhält-nissen abgefunden. Sie haben darauf Bedacht genommen, ihren Gold-vorrat erheblich zu stärken, und das ist ihnen dank ihrer günstigenHandelsbilanz in gröfstem Umfange gelungen. Während sie in densämtlichen Jahren von 1889 bis 1896 eine Mehrausfuhr von Gold zuverzeichnen hatten, betrug der Überschufs der Goldeinfuhr in den dreiJahren 1897 bis 1899 etwa 200 Mill. Dollars. Wenn auch alles inallem in dem Jahrzehnt 1891 bis 1900 die Ausfuhr von Gold um etwa270 Mill. Mark die Einfuhr überwog, so steht dieser Mehrausfuhr docheine gleichzeitige eigene Goldproduktion im Werte von etwa 2,1 MilliardenMark gegenüber, so dafs sich der Gesamtzuwachs der Vereinigten