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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
198
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198 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

Während Indien von 1855 bis 1860 beträchtlich mehr Silber ab-sorbierte, als gleichzeitig produziert wurde, stieg der Überschufs derSilberproduktion über den indischen Bedarf von 331 000 kg im Jahr-fünft 1866 bis 1870 in den beiden folgenden fünfjährigen Perioden auf1 642000 kg und 1696000 kg.

An dieser Stelle müssen die Gründe des aulfallenden Rückgangsder indischen Silbernachfrage während der für das Silber kritischenZeit einer kurzen Erörterung unterzogen werden.

Der Rückgang der Silberverschiffungen nach Indien hatte seineUrsache zum Teil in dem Wegfall der ungewöhnlichen Verhältnisse,welche die aufserordentlichen Verschiffungen während der 50 er und60er Jahre veranlagst 1 hatten, vorwiegend aber darin, dafs die Zah-lungen in Gold, welche Indien nach England zur Verzinsung von An-leihen. zur Auszahlung von Gehältern und Pensionen u. s. w. zu leistenhatte, sich rapid vermehrten. Die Mittel für diese in England zuleistenden Geldzahlungen wurden und werden heute noch aufgebrachtdurch die Begebung der sogenannten India-Councilbills auf demLondoner Markte. Die Councilbills sind Wechsel, die vom IndischenRat in London auf die indische Finanzverwaltung gezogen werdenund in Bombay, Calcutta oder Madras in indischer Währung zahlbar sind.

Diese Councilbills oder Schatzwechsel waren als Zahlungsmittelfür Indien besser verwendbar als das Silber. Ihre Versendung machtegeringere Kosten und bedingte keinen Zinsverlust; die Möglichkeitihrer telegraphischen Übertragung machte sie besonders brauchbar inFällen eines akuten Geldbedarfs in Indien und gestattete aufserdemdie Vermeidung von Kursverlusten, denen Silber und gewöhnlicheWechsel auf Indien infolge des langen Zeitraums zwischen Ankauf inLondon und Verwendung in Indien ausgesetzt waren. Deshalb wardie Gröfse des Angebots von Schatzwechseln für die Silbernachfrageund der Kurs, zu welchem sie begeben wurden, für den Silberpreisvon grofsem, oft sogar von entscheidendem Einflufs.

Es traf sich nun, dafs gerade in der für das Silber kritischen Zeitdie Begebungen von Schatzwechseln infolge der steigenden VerschuldungIndiens an England einen grofsen Umfang annahmen. Während sichdie jährlichen Begebungen im Durchschnitt der 50 er Jahre auf 21,8 Mill.Rupien belaufen hatten, stellten sie sich in der zweiten Hälfte der60 er Jahre schon auf 55,2 Mill. Rupien, um 1871/75 auf 120 Millionen,1876/80 auf mehr als 150 Mill. Rupien zu steigen. Zeitweise über-stieg ihr Betrag den Wert der gesamten englischen Silberausfuhr.

Auf diese Weise nahmen die Councilbills auf Kosten des Silbersunter den Rimessen für Indien einen immer gröfseren Raum ein, wiefolgende Ziffern beweisen.