6. Kapitel. Die Ausbreitung der Goldwährung und die Silberentwertung. § 4. 199
Indiens MehreinfuhrDurchschnittlich von Silber
1000 Rupien
Begebungen vonCouncibills1000 Rupien
1865/66—1869/701870/71—1874/75
94 29030 631
55 200120 840
Abnahme 63 659
Zunahme 65 640
Wenn die starke Abnahme des indischen Silberbedarfs und diegleichzeitige Steigerung der Silberproduktion an sich schon hingereichthätten, um die europäischen Staaten, namentlich die Länder der Latei-nischen Doppelwährung, zu einer Entscheidung darüber zu zwingen, obsie das Silber in ihrem Geldumlaufe wieder zur Vorherrschaft kommenlassen wollten, — so mufste die Notwendigkeit dieser Entscheidungallerdings in hohem Grade beschleunigt werden durch das Vorgehenirgend eines bedeutenden Staates, der sich dem Silber verschlofs odergar einen Teil seines bisherigen Silberumlaufs auf den Markt brachte.
Eine solche Beschleunigung hat die deutsche Münzreform herbei-geführt. aber auch nur eine Beschleunigung der Entwicklung, nichtdie Entwicklung selbst. Durch die Feststellung der Thatsache, dafsdie gegen das Silber gerichtete Münzgesetzgebung nur das Mittel war,durch welches der Geldumlauf den Bedürfnissen des Verkehrs ent-sprechend gestaltet wurde, ist allein schon die Frage beantwortet, obes sich bei den entscheidenden Änderungen der Münzgesetzgebung umWillkürakte handelte oder um wirtschaftliche Notwendigkeiten; unddie Frage, welchen Anteil die deutsche Münzreform und die Aufhebungder französischen Doppelwährung an den Ursachen der Silberentwertunghaben, ist damit auf die ihr zukommende bescheidene Bedeutungzurückgeführt. Wenn die gegen das Silber gerichtete Münzgesetz-gebung der europäischen Staaten in ihrer Gesamtheit nur die Wirkungeiner tiefer liegenden gemeinsamen Ursache war, dann ist es miifsig,sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob der eine oder der andereStaat den Anstofs zu der ganzen Entwicklung gegeben oder zu derEntwertung des Silbers mehr als die andern beigetragen hat.
Immerhin ist es nicht überflüssig, speziell die Wirkung der Be-seitigung der französischen Doppelwährung und die Stellung derdeutschen Münzreform in dem Kreis der zur Entwertung des Silberszusammenwirkenden Faktoren zu erörtern.
Die französische Doppelwährung soll während ihres Bestehens von1803 bis 1873 ein stabiles Wertverhältnis zwischen Gold- und Silber-münzen gesichert haben; es wird behauptet, nur die Aufhebung derfreien Silberprägung in den Staaten der Lateinischen Münzunion habeüberhaupt eine Silberentwertung möglich gemacht.
Es erscheint zunächst auffallend, warum gerade der französischenDoppelwährung eine solche Wirkung zugeschrieben wird. Vom Jahre