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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
231
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3. Kapitel. Die Einzelfmikticmen des Geldes. § 2. 231

Funktionen darstellten. Namentlich Menger vertritt diese Ansicht;er schreibt:

Der ursprüngliche und der allen Entwicklungstufen des Geldesgemeinsame Begriff desselben ist der eines allgemein gebräuchlichgewordenen Tauschmittels. Alle Begriffsbestimmungen des Geldes,welche die dem Gelde entwickelter Kulturvölker eigentümlichenFunktionen dem Gelde als solchem zuschreiben, im wesentlichennichts anderes als eine Zusammenfassung aller aus der Beobachtungdes Geldes der modernen Kulturvölker sich ergebenden Funktionen(auch der blofsen Konsekutivfunktionen der Tauschmittelfunktion) desGeldes sind, müssen demnach als irrig, im allgemeinen auch als ge-schichtswidrig zurückgewiesen werden. Sollen die Konsekutivfunktionenund die sonstigen gebräuchlichen Benutzungsarten des Geldes mitRücksicht auf ihre hohe praktische Wichtigkeit der Begriffsbestimmungdes Geldes beigefügt werden, so mufs das in einer ihren konsekutivenbezw. ihren accidentiellen Charakter kennzeichnenden Weise geschehen..Geld' ist jedes Verkehrsobjekt, welches als allgemein gebräuchlichesTauschmittel und infolge dieses Umstandes aller Kegel nach auch alsMafsstab des Tauschverkehrs funktioniert, Funktionen, mit denen sichauch regelmäfsigdie eines Mittels für einseitige und subsidiäre vermögens-rechtliche Leistungen, eines Vermittlers des Kapitalverkehrs, falls derGeldstoff hierzu geeignet ist, auch die eines Thesaurierungsmittelsverbinden."

Ohne jetzt schon die Berechtigung dieser Auffassung zu prüfenund auf das gegenseitige Verhältnis der Einzelfunktion des Geldesnäher einzugehen, treten wir an die nähere Betrachtung der Tausch-mittelfunktion des Geldes heran.

§ 2. Die Funktion als allgemeines Tauschmittel.

Es sei zunächst wiederholt, dafs wir es beim Tausch mit einerdoppelseitigen und Zug um Zug erfolgenden Vermögensübertragungzu thun haben, bei der ein Wert gegen einen andern gegeben wird,die aber insofern einen einheitlichen und in sich geschlossenen Vor-gang darstellt, als der erstrebte Zweck mit dem einmaligen Austauschezweier Verkehrsobjekte erfüllt ist.

Der einheitliche Vorgang des Tausches wird nun durch die Da-zwischenkunft des Geldes in zwei getrennte und relativ selbständigeAktionen zerlegt, in einen Verkauf und einen Kauf. Wenn beimTausch z. B. Schuhe unmittelbar gegen Brot hingegeben werden, sowerden nach der Dazwischenkunft des Geldes die Schuhe zunächstgegen Geld hingegeben und dann das Geld gegen Schuhe.

Die eminenten Vorteile, welche aus dieser scheinbaren Kompli-kation eines einfachen Vorgangs für die Volkswirtschaft erwachsen,