232 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.
sind bereits im historischen Teile dargestellt worden. Es erübrigtdeshalb an dieser Stelle nur eine kurze Rekapitulation und systema-tische Zusammenfassung. Die Vorteile des Gebrauchs eines allgemeinenTauschmittels bestehen in der Überwindung der dem naturalen Aus-tausch entgegenstehenden Hindernisse. Diese sind in der Hauptsachefolgende:
1. Nur selten werden sich zwei Leute treffen, von denen jeder imWege des Austausches gerade das Gut abgeben will, das der anderezu erwerben wünscht; z. B. ein Nagelschmied, der Brot braucht,einen Bäcker, der Nägel nötig hat.
2. Noch viel seltene]' wird das Gut, das der eine abzugeben hat,im Werte ungefähr dem Gute entsprechen, das er dafür von einemAndern erwerben möchte; wer z. B. Brot braucht und einen kostbarenStein abzugeben hat, kann, selbst wenn er einen Bäcker findet, der bereitist, den Edelstein gegen Brot zu erwerben, nicht soviel Brot brauchen,wie der Stein wert ist.
Diese Schwierigkeiten müssen um so gröfser werden, je mehr dieArbeitsteilung fortschreitet, je mehr sich die Thätigkeit der einzelnenwirtschaftenden Individuen und Gruppen specialisiert, je zahlreicherund verschiedenartiger die Verkehrsgüter werden; richtiger ausgedrückt:ohne eine Beseitigung dieser dem Güteraustausch entgegenstehendenSchwierigkeiten wäre auf Grundlage des Privateigentums und derwirtschaftlichen Selbständigkeit der Individuen eine über die rohestenAnfänge hinausgehende Arbeitsteilung und eine ergiebigere Gestaltungder Produktion überhaupt nicht denkbar. Die Produktion konnte zuder Ergiebigkeit, zu der sie durch die arbeitsteilige Organisation unddurch die nur auf Grund einer arbeitsteiligen Organisation möglichentechnischen Fortschritte gekommen ist, nur gesteigert werden dadurch,dafs sie von der Rücksicht auf den Konsumbedarf des produzierendenIndividuums befreit wurde, dafs für sie immer mehr der Bedarf gröfsererGesamtheiten in Betracht kam, der für eine rationelle Ausgestaltungdes Produktionsprozesses nach dessen eignen Gesetzen freien Spielraumliefs. Die unmittelbarste Bindung der Produktion an den Konsum-bedarf ist gegeben im Zustand der isolierten, verkehrslosen Einzel-wirtschaft, wo jedes Individium, jede kleine Gruppe nur für den eignenBedarf produziert. Gegenüber diesem Zustande bedeutet bereits derprimitive und unmittelbare Tauschverkehr eine gewisse Befreiung derProduktion von den Fesseln des individuellen Bedarfs. Aber solangesich noch kein Tauschmittel in diesen Verkehr eingeschoben hatte,wurde die Richtung der produktiven Arbeit notwendig bestimmt, —zwar nicht mehr ausschliefslich durch die Rücksicht auf den eignenBedarf, aber doch durch die Rücksicht auf den individuellen Bedarfdes eng begrenzten Kreises von Personen, auf die man zur Beschaffung