246 Zweites Buoli. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.
macht, auf Grund welcher der Wert sich einstellt, ohne doch ausihnen hergestellt zu werden, und dafs alle Beweise für den Werteines Objektes nichts bedeuten als die Nötigung, den für irgend einObjekt bereits vorausgesetzten Wert auch einem andern Objekt zu-zuerkennen ( Simmel ). Die Bedingungen, auf denen der wirtschaftlicheWert, der für uns allein in Betracht kommt, beruht, erkennen wirdarin, dafs die Dinge der Aufsenwelt einerseits Gegenstand eines Be-dürfnisses sind, während anderseits ihrer Erlangung Hemmnisseentgegenstehen, deren Überwindung mit Arbeit und Opfer verbundenist. Nur wenn diese beiden Voraussetzungen gegeben sind, wird denDingen eine wirtschaftliche Bedeutung, ein wirtschaftlicher Wertseitens des wirtschaftenden Subjektes beigelegt.
Soweit sich der Wertungsprozefs in der Einzelseele vollzieht, ister ein subjektiver Vorgang, und die Bangordnung der Werte, derGrad des Wertes der einzelnen Gegenstände ist das Ergebnis diesessubjektiven Vorgangs. Der Messung zugänglich ist jedoch nur dasObjektive. Wir können die Ausdehnung oder das Gewicht einesKörpers, die beide von unserm Fühlen, Wollen und Urteilen als ge-gebene Eigenschaften eines Objektes unabhängig sind, vermittelsteines bestimmten Verfahrens an einer gegebenen Ausdehnung odereinem gegebenen Gewicht messen, d. h. wir können eine bereits vor-handene Beziehung zwischen zwei gegebenen Gröfsen derselben Artdurch objektive Ermittelung feststellen. Wenn dagegen das isolierteSubjekt ein Rind gleich bewertet mit einer Anzahl von kupfernenSpangen, so ist diese Gleichsetzung nicht das Resultat einer seitensdes Subjektes vorgenommenen Messung eines objektiven VerhältnisseszAvischen Rind und Kupferspangen, sondern die Wertgleichheit zwischenbeiden Objekten ist der Ausflufs eines subjektiven Bewertungsvorganges;sie ist von dem wertenden Subjekt nicht ermittelt® sondern geschaffen,es liegt also nicht eine Wertmessung, sondern lediglich eine Wert-setzung vor.
Der Wert der Dinge wird aus der subjektiven Sphäre dadurchherausgehoben, dafs der Mensch nicht isoliert für sich steht, sonderndas einzelne Glied einer grofsen menschlichen Gemeinschaft, einer Ge-sellschaft ist. Infolge der weitgehenden Gleichartigkeit der psycho-logischen und materiellen Voraussetzungen, der Bedürfnisse und derLebensbedingungen entstehen, gefördert durch Gewohnheit und Er-ziehung, innerhalb eines und desselben gesellschaftlichen Verbandesgewisse Gemeinüberzeugungen und gewisse eine allgemeine Gültigkeitbeanspruchende Werturteile, die dem einzelnen Subjekt als etwasaufserhalb des eigenen Ichs Liegendes, als etwas Objektives gegenüber-stehen, und welche die Werturteile der einzelnen Individuen in hohemGrade bestimmen, so sehr sie ihrerseits aus der Gesamtheit der subjek-