3. Kapitel. Die Einzelfunktionen des Geldes. § ä.
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tiven Werturteile hervorgegangen sind und der Beeinflussung durchdie Wandlungen in den Werturteilen der Einzelpersönlichkeiten unter-liegen. Das einzelne Glied der Gesellschaft bildet sich nicht selb-ständig für sich eine Welt von Werten, sondern es findet eine aufüberkommenen Anschauungen und Gewohnheiten ruhende Rangordnungvon Werten vor, in welchen der Wert als etwas den Dingen Anhaftendes,von der Anerkennung durch das Einzelsubjekt Unabhängiges erscheint.
Von ganz besonderer Wichtigkeit für die Erhebung des Wertesüber die rein subjektive Sphäre ist der Tausch.
Beim Tausch tritt das Subjekt mit einem andern in Beziehung,dessen Werturteil über die auszutauschenden Gegenstände ihm alsetwas Objektives gegenübersteht; der Tausch selbst ist eine objektiveThatsache des Inhalts, dafs eine bestimmte Quantität des einen Gutesals Gegenwert für eine bestimmte Quantität des andern Gutes gegebenund genommen wird. Zur Bestimmung dieses Austauschverhältnissesist mindestens die Willensübereinstimmung der beiden beteiligtenSubjekte notwendig, das Einzelsubjekt ist für die Festsetzung diesesVerhältnisses nicht mehr autonom, wie in seinen isolierten Beziehungenzu den Dingen.
Meist jedoch ist bei der Bestimmung des Austauschverhältnissesein weit gröfserer Kreis beteiligt, als die beiden unmittelbaren Kon-trahenten. Nicht nur, dafs die Thatsache , wie andere Mitglieder der-selben Gemeinschaft die in Rede stehenden Dinge werten, einen psycho-logischen Einflufs ausübt, dafs auf gewissen Stufen der wirtschaftlichenEntwicklung das allgemeine Werturteil sich zu festen traditionellenWertverhältnissen zwischen den einzelnen Tauschgütern verdichtet —wie wir es im historischen Teil bei der Darstellung der Anfänge desGeldes beobachtet haben —, oder dafs das allgemeine Werturteil sogarin obrigkeitlichen Vorschriften, Avie in Preistaxen, eine bestimmteGestalt gewinnt und so als ein äufserer Zwang auftritt, dem das In-dividuum sich zu unterwerfen hat; — auch wo Gesetzgebung und Sitteder Bethätigung des subjektiven Werturteils im Verkehr den denkbarweitesten Spielraum lassen, ist bei jedem nur einigermafsen entwickeltenVerkehr das Verhältnis, in welchem die Güter gegeneinander ausge-tauscht werden, das Produkt einer unübersehbaren Vielheit von sub-jektiven Werturteilen, das als solches der Machtsphäre des einzelnenSubjektes entzogen ist oder seinem Einflufs in nur geringem Mafseunterliegt. Das Wertverhältnis, das zu einem gegebenen Zeitpunkteauf einem bestimmten Markte durch den Austausch zwischen zweiGüterarten realisiert wird, beruht auf den Massenfaktoren Angebotund Nachfrage. Weil im allgemeinen Niemand für ein Gut dem einenmehr giebt, als ein beliebiger anderer für das gleiche Gut verlangt,weil umgekehrt der Gegenkontrahent sein Gut nicht für einen geringeren