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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
248
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248 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung'.

Gegenwert abläfst, als er von einem beliebigen Dritten dafür erhaltenkann, deshalb entscheiden nicht die unmittelbaren Kontrahenten allein,sondern alle ihre Konkurrenten in Angebot und Nachfrage über dasWertverhältnis, auf Grund dessen der Tausch wirklich zu stände kommt.

Dieses im effektiven Austausch realisierte Wertverhältnis ist keines-wegs identisch mit dem subjektiven Werturteil der am Tausch betei-ligten Subjekte. Im Gegenteil, es ist Voraussetzung für das Zustande-kommen eines jeden Tauschs, dafs das subjektive Werturteil dertauschenden Personen sowohl untereinander als auch von dem in demTausche verwirklichten Wertverhältnis abweicht. Es ist keineswegsdie Absicht der tauschenden Subjekte, Dinge, welche sie selbst gleichbewerten, gegeneinander umzusetzen; der ganze Zweck des Tauschsist vielmehr, an Stelle eines Gutes, das man hat, ein anderes Gut, dasman auf Grund seiner ganzen ökonomischen Lage und Zwecke höherbewertet, zu erlangen; und ein Tausch kommt nur zu stände, wennjeder das vom andern gebotene Gut in der gebotenen Qualität undQuantität höher schätzt, als das von ihm dafür hinzugebende Gut.

So wenig nun das im thatsächlich zu stände gekommenen Tauschverwirklichte Wertverhältnis zwischen zwei Gütern dem Werturteilirgend eines der tauschenden Subjekte genau entspricht, so sehr istes doch das Produkt der verschiedenen divergierenden Werturteile allerderjenigen, zwischen denen gerade wegen des Auseinandergehensihrer Werturteile ein Tausch auf dieser Basis zu stände gekommenist. Wenn 10 Leute Einder gegen Schafe im Austausch hingegebenhaben auf Grund des Verhältnisses 1 Bind = 8 Schafe, so ist diesesden 10 Tauschvorgängen zu Grunde liegende Wert Verhältnis nur da-durch zu stände gekommen, dafs mindestens 10 Leute, die Einder be-safsen, je 8 Schafe höher bewerteten als 1 Eind, während umgekehrtmindestens 10 Leute, die Schafe besafsen, 1 Eind höher bewertetenals 8 Schafe.

Damit ist die Brücke geschlagen zwischen dem subjektiven Wert-urteil der Individuen und dem im Verkehr verwirklichten Wertver-hältnis zwischen den einzelnen Tauschgütern. Dieses im Verkehr inErscheinung tretende Wertverhältnis zwischen den Tauschgütern stehtden einzelnen wirtschaftenden Subjekten voll und ganz als eine objek-tive Thatsache gegenüber, die von dem Einzelsubjekt nach Mafsgabeder praktischen Wirksamkeit, welche es durch Angebot oder Nachfrageseinem abweichenden Werturteil zu geben vermag, modifiziert werdenkann, deren Anerkennung als solcher sich jedoch auch die mächtigsteEinzelpersönlichkeit nicht zu entziehen vermag, während im allgemeinendie einzelnen Subjekte sich zur nahezu restlosen Unterwerfung ge-zwungen sehen. Die Bedeutung des den Umsätzen jeweils zu Grundeliegenden Wertverhältnisses wird für die wirtschaftenden Individuen