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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
250
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250 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

Tauschwert derselben, ausgedrückt in dem Quantum einer bestimmtenandern Ware, das dafür eingetauscht worden ist oder werden soll"(Rosches ).Der Tauschwert verhält sich zum Preise, wie die blofseMöglichkeit, für ein Gut ausgetauscht zu werden, zur Wirklichkeitdes Ausgetauschtwerdens" ( Wagner).

Mit dieser so einleuchtend klingenden Ableitung des Preises vondem als den Dingen innewohnend gedachten Tauschwert ist einfehlerhafter Zirkel geschlossen, der viel Verwirrung in die Wert-, Preis-und Geldlehre, vor allem in die Auffassung des Geldes als eines Wert-oder Preismafses hineingetragen hat.

Wir müssen daran festhalten, dafs der in der Einzelseele sichvollziehenden Bewertung der Dinge als einzige objektive Tliatsache,die einen Anhaltspunkt für den Begriff eines Tauschwertes giebt, dasVerhältnis gegenübersteht, in welchem verschiedenartige Verkehrs-objekte gegen einander umgesetzt werden. Die blofse Tliatsache, dafszwei verschiedenartige Güter, z. B. Gold gegen Eisen, umgesetzt werden,sagt über Wert und Preis noch gar nichts; das thut erst die weitereTliatsache, ohne welche die erstgenannte übrigens gar nicht denkbarist, dafs nämlich die beiden Güter in einem bestimmten Ver-hältnis gegen einander umgesetzt werden, z. B. 1 kg Gold gegen50000 kg Eisen. In diesem Verhältnis ist aber der Preisbereits enthalten. Es vollzieht sich kein Tausch, bei dem derPreis nicht sofort ebenso feststeht, wie die Tliatsache des Tauschesselbst. Der Preis ist nichts anderes als die eine Seite der den Tauschdarstellenden Gleichung, und er ist, wie der Tausch selbst, das un-mittelbare Produkt der divergierenden subjektiven Werturteile der aufSeite von Angebot und Nachfrage am Verkehr teilnehmenden Individuen.Dagegen ist der den Dingen beigelegteTauschwert" oderVer-kehrs wert", wie oben gezeigt wurde, nur eine Abstraktion ausder Tliatsache, dafs zwei Verkehrsobjekte in bestimmtem quantitativenVerhältnis gegeneinander umgesetzt werden. Da aber in diesem Ver-hältnis der Preis eines jeden der beiden Verkehrsobjekte jeweils indem andern bereits gegeben ist, so resultiert der Preis nicht aus demTauschwerte als dessen Verwirklichung, sondern auch zum Preis ver-hält sich der Tauschwert wie die Abstraktion zur Wirklichkeit.

Daraus ergiebt sich für die Funktion des Geldes als Wertmafsoder Preismafs folgendes:

Um den Austausch zweier Verkehrsobjekte im allgemeinen undum den Austausch eines Verkehrsgutes gegen Geld insbesondere zubewerkstelligen, bedarf es keiner Messung des Verkehrswertes derauszutauschenden Güter. Die uralte, schon von Aristoteles vertreteneAnsicht, dafs es beim Tausch darauf ankomme, dafs jedes der beteiligtenbeiden Individuen den gleichen Wert erhalte, dafs infolgedessen vor