3. Kapitel. Die Einzelfunktionen des Geldes. § 5.
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dem Tausch der Wert der zu tauschenden Güter gemessen werdenmüsse (ein Zweck der dureh das Geld erfüllt werde) 1 ), stellt denThatbestand geradezu auf den Kopf. Fassen wir den Tausch isoliert,so kommt er zu stände durch die Divergenz des Werturteils zweier Sub-jekte über das dem Tausch zu Grunde zu legende Verhältnis der beidenin Frage stehenden Güter, von denen jedes dasjenige höher schätzt,das im Besitz des andern ist; irgend ein objektiver Wert, der gemessenwerden könnte, steht diesen auseinandergehenden subjektiven Wert-urteilen noch nicht gegenüber. Erst dadurch dafs die beiden Indivi-duen sich innerhalb der durch ihre subjektiven Werturteile gezogenenGrenzen auf ein bestimmtes Austauschverhältnis einigen und auf dieserGrundlage den Tausch vollziehen, kommt eine objektive Thatsache zustände, die eine Wertgleichung enthält und eine Messung des Verkehrs-wertes des einen Gutes an dem andern ermöglicht. Das Austausch-verhältnis wird also nicht durch eine Messung ermittelt, sondern eswird durch eine Vereinbarung der tauschenden Individuen festgesetztund giebt seinerseits erst die Grundlage für eine gegenseitige Messungder ausgetauschten Werte. Mit andern Worten: der Preis wird nichtdurch eine Messung der Tauschwerte bestimmt, sondern er macht eineMessung des Tauschwertes überhaupt erst möglich.
Was wir beim isolierten Tausch beobachten, das gilt auch fürden auf einem gegebenen Markte bei einer Konkurrenz von Angebotund Nachfrage sich vollziehenden Tausch, der nicht der erste seinerArt ist, sondern Vorgänger hat. Auf einem solchen Markte bestehenbereits Austauschverhältnisse und Preise, die von jedem neu hinzu-kommenden Tauschlustigen in Rechnung gezogen werden müssen. Eskönnte auf den ersten Blick scheinen, als ob in einer solchen Berück-sichtigung bereits verwirklichter Austauschverhältnisse eine Messungdes Tauschwertes der neu auf den Markt gebrachten Verkehrsobjekteliege. Aber soweit die bestehenden Preise für den Abschlufs neuerTauschgeschäfte von Wichtigkeit sind, wirken sie unmittelbar; esbraucht zur Festsetzung des Preises für den neu abzuschliefsendenTausch nicht erst von den alten Preisen auf den „Tauschwert" derin Betracht kommenden Güter geschlossen zu werden. Ferner sindauch die bestehenden Preise nur das Produkt aus der Divergenz derin Angebot und Nachfrage zum Ausdruck kommenden subjektivenWerturteile und nicht etwa das Ergebnis einer Messung des Tausch-wertes, die ja selbst hinwiederum nur an Preisen erfolgen kann. Kurzda der Preis das einzige denkbare Mafs für den Tauschwert der Ver-kehrsobjekte ist, kann die Messung des Tauschwertes nicht die Voraus-setzung für die Festsetzung des Preises sein.
1) Arist., Nik. Eth., V. 7. „So -wenig- eine Gemeinschaft möglich wäre ohneAustausch, so wenig ein Austausch ohne Gleichheit und eine Gleichheit ohne Maß".