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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
252
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252 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

Wenn wir dem Gelde die Funktion als Wertmesser zuerkennen,so kann mithin diese Funktion nicht darin bestehen, dafs das Geldzur Ermittelung des Tauschwertes der Güter behufs Festsetzung desAustauschverhältnisses oder des Preises dient. Welcher Inhalt bleibtaber dann der Wertmafsfunktion des Geldes?

Vielfach wird die Wertmafs- oder Preismesserfunktion des Geldesdarin erblickt, dafs in unsrer Wirtschaftsverfassung', unter der Herr-schaft der Geld Wirtschaft, die Preise aller nicht Geld darstellendenVerkehrsobjekte ausscliliefslich in Geld ausgedrückt werden, sodafsman wie oben bereits erwähnt im allgemeinen unter Preis nurnoch den in Geld ausgedrückten Preis versteht. Dieser Vorgang istlediglich eine Folge des Umstandes, dafs das Geld als allgemeinesTauschmittel dient, und dafs infolgedessen die Verkehrsobjekte regel-mäfsig zunächst gegen Geld umgesetzt werden; von den beiden Gegen-werten besteht mithin der eine regelmäfsig in einem bestimmtenGeldbetrage. Zweifellos erleichtert die Thatsache , dafs die Preise derVerkehrsgüter allgemein in Geld ausgedrückt werden, die Vergleichungder Preise untereinander ganz aufserordentlich; aber von einer Messungder Preise durch das Geld kann gleichwohl korrekter Weise nicht dieRede sein: die Preise werden nicht durch das Geld g e messen, sonderninfolge der Anwendung des Geldes als allgemeines Tauschmittel werdendie Preise regelmäfsig in Geld bemessen, sie bestehen in Geld.

Dagegen ist der Preis seinerseits als die eine Seite der imAustausch verwirklichten Wertverhältnisse das Mafs für den Ver-kelirswert der Güter; und sobald die Geldwirtschaft soweit fort-geschritten ist, dafs der naturale Tausch durch Kauf und Verkaufverdrängt ist, sobald mithin die eine Seite der in den Umsätzen ver-wirklichten Wertgleichung regelmäfsig in einem Geldpreise besteht,haben wir im Gelde das allgemeine Mafs für den Tauschwert allerVerkehrsgüter. Die dem Geldsystem eines Landes zu Grunde liegendeEinheit fungiert im Anschlufs daran als Einheit für die Angabe vonWerten überhaupt. In Geld wird nicht nur der Wert der Güter be-zeichnet, die in einem gegebenen Augenblicke effektiv gekauft undverkauft werden, wobei das Mafs ihres Wertes in Geld in dem ge-zahlten Preise unmittelbar feststeht, sondern auf Grund der im Verkehrgezahlten Preise wird der Wert aller Dinge, die denkbarer WeiseGegenstand eines Umsatzes werden können, in Geld abgeschätzt.

In diesem Sinne dient das Geld thatsächlich als einheitlicherWertausdruck oder, wenn man so will, als Wertmafs, und es erfülltdamit eine Aufgabe von eminenter Bedeutung für die Volkswirtschaft.

Wie Brüche mit verschiedenen Nennern erst dann addiert werdenkönnen, wenn man sie vorher auf einen gemeinschaftlichen Nennergebracht hat, so läfst sich der Gesamtwert eines Komplexes ver-