262 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.
dem gegenwärtigen Schmuckbedürfnis und der Vorsorge für die Zu-kunft dient, wie etwa bei der Inderin, die ihre Habe in Form vonSilberschmuck an ihrem Körper trägt und das Silber in schlimmenZeiten gegen Brot und die sonstigen unentbehrlichen Bedarfsgüterhingiebt. Hier haben wir Gebrauchsgut, Wertbewahrungsmittel undTauschmittel in Einem. Kaum anders verhält es sich mit den grofsen„Horten", von denen unsre Sagen zu melden wissen, und mit denSchätzen, wie sie heute noch von indischen Fürsten gehalten werden.Sie dienen in normalen Zeiten dem Schmuck- und Prunkbedürfnis derGrofsen als glänzende Zeichen ihres Beicht ums und ihrer Macht; siestellen gleichzeitig eine gewaltige Vermögensmacht dar, die im Bedarfs-falle gegen nötigere Güter umgesetzt und zur Besoldung von Heerenverwendet werden kann.
Die reine Form der Aufspeicherung von Werten für eine zukünftigeVerwendung (Thesaurierung) haben wir dort, wo die aufbewahrtenGegenstände für die Dauer der Aufbewahrung allen Gebrauchszweckenentzogen sind, wo ausschliefslich die Sicherstellung von Mitteln fürkünftige Zeiten das treibende Motiv für die Ansammlung und Auf-bewahrung ist. Nachdem das Geld entstanden ist und in der Münzeeine besondere Form erhalten hat, in der es nur noch Geld, nichtmehr Schmuckgegenstand ist, wird das Geld das wichtigste Objekteiner solchen Aufspeicherung oder Thesaurierung. Der einzige Gebrauch,den das wirtschaftende Individuum von dem Gelde als solchem machenkann, ist der, dafs es das Geld ausgiebt; jede Aufbewahrung von Geldist mithin für die Zeit der Aufbewahrung ein totaler Verzicht aufseinen Gebrauch. Die harten Thaler im Strumpfe des Bauern altenSchlags, die Geldstücke in der Truhe, womöglich in der Erde ver-graben, sind die deutlichsten Beispiele einer solchen Thesaurierung.Aber auch ein Kriegsschatz, wie wir ihn heute noch in den 120 Mill. MarkEeichsgoldmiinzen im Juliusturm zu Spandau haben, bildet in seinerreinen und nüchternen Zweckbestimmung für einen künftigen Bedarfein interessantes Gegenstück zu dem aus Diamanten, Juwelen, kost-baren Geräten und sonstigen Prunkstücken bestehen Schatz eines in-dischen Fürsten . Hierher gehören schliefslich mit später zu besprechen-den Einschränkungen auch die baren Kassen Vorräte, welche in deneinzelnen Wirtschaften im Hinblick auf einen mehr oder weniger un-bestimmten künftigen Bedarf gehalten werden, und unter diesenvor allem die gewaltigen Barvorräte der modernen Centraibanken, aufdie nicht nur unmittelbar die betreifende Bank selbst, sondern mittel-bar auch die gesamte Volkswirtschaft im Bedarfsfalle soll zurück-greifen können.
Wenn auf Grund solcher Beobachtungen feststeht, dafs in grofsemUmfange Werte, die zu einer Verwendung irgend welcher Art in der