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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
264
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264 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

rierung'smittel geworden, so wie es etwa zum allgemeinen Tausclimitteloder Zahlungsmittel geworden ist. Stets haben aufser dem GeldeSchmuckgegenstände, Edelsteine, Perlen, Tafelgerät aus edeln Metallenund andere Kostbarkeiten neben ihrem unmittelbaren Gebrauchszweckein gewissem Umfange die Bedeutung beibehalten, eine leicht realisier-bare Reserve für schlimme Zeiten zu bilden. Mitunter dient auchder Grundbesitz, der als unbeweglichstes Gut dem Gelde als dembeweglichsten aller Güter in fast allen Beziehungen diametral gegen-übersteht, ausgesprochenermafsen dem Zwecke einer unbedingt sicherenV ermögensanlage.

Vor allem aber ist hervorzuheben, dafs die ganze neuzeitlicheEntwicklung der Volkswirtschaft, die darauf hinausläuft, alle wirt-schaftlichen Kräfte für die Schaffung neuer Werte dienstbar zu machenund soweit wie möglich auszunutzen, die Tendenz hat, die Verwen-dung des Geldes zu Thesaurierungszwecken aufs möglichste zu be-schränken. Das Geld im Kasten liegt brach, es bringt während derZeit der Aufbewahrung weder dem Eigentümer etwas ein, noch schafftes einen Nutzen für die gesamte Volkswirtschaft. Sobald nun dieRechtssicherheit so fest begründet ist, dafs eine auf Geld lautende For-derung für die Zukunft nahezu dieselbe Verfügung über Geld gewährt,wie der effektive Besitz des Geldes selbst, kommt der Einzelne in dieLage, das in der Gegenwart von ihm nicht benötigte Geld, das er sichfür die Zukunft sicher stellen will, an vertrauenswürdige Personenund Unternehmungen gegen Zinsen ausleihen oder zur Anlage in zins-bringenden Wertpapieren verwenden zu können. Der kleine Mannbringt seine Ersparnisse, statt sie selbst aufzubewahren, zur Sparkasse.Die Geschäftsleute vertrauen ihre baren Reserven den Banken an,grofse Vermögen werden, statt in barem Gelde, in zinstragendenPapieren angelegt. Solange das Vertrauen in die Sparkasse, die Bank,den Staat oder den sonstigen Schuldner nicht täuscht, wird auf dieseWeise der Zweck der Wertbewahrung ebenso gut erfüllt, wie bei derThesaurierung baren Geldes, aber die angesammelten Werte sind gleich-zeitig produktiv, sie werfen dem Besitzer Zinserträgnisse ab undstehen für die wirtschaftlichen Zwecke der Gesamtheit zur Verfügung.

Infolge dieser gewaltigen Vorteile ist in unsrer Zeit die Ansamm-lung baren Geldes in den Einzelwirtschaften, soweit sie den Betragfür den regelmäfsigen Kauf- und Zahlungsbedarf überschreitet, so sehrabgekommen, dafs uns der Strumpf voller Thaler und die goldgefüllteTruhe als Kuriositäten erscheinen. Wenn anderseits sich in den grofsenCentraibanken, wie bereits erwähnt, gewaltige, den täglichen Zahlungs-bedarf dieser Institute beträchtlich überschreitende Bestände von Metall-geld angesammelt haben, die in früheren Zeiten nicht ihres Gleichenfinden, so widerspricht das der Tendenz der Zurückdrängung der