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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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5. Kapitel. Der Inhalt der Geldschulden. § 6.

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Diejenigen, welche auf den mehr oder weniger weit zurück-liegenden Entstehungstermin der schwebenden Obligationen sehen, ver-langen wie bereits in anderem Zusammenhange erwähnt, dafs dasdurchschnittliche Wertverhältnis eines längeren Zeitraums vor demWährungswechsel als mafsgebend angenommen werde; wer den Zeit-punkt der Fälligkeit von Obligationen als prinzipiell entscheidend fürdie Umrechnungsnorm ansieht, mufs konsequenter Weise die möglichsteBerücksichtigung der zukünftigen Gestaltung des Wertverhältnisseszwischen beiden Metallen empfehlen. .Die einen sehen mit rück-wirkender Kraft das neue Währungsmetall, die andern mit über denWährungswechsel hinauswirkender Kraft das alte Währungsmetall alsden wahren Mafsstab des Wertes an. In Wahrheit ist weder daseine noch das andere Metall in seinem Werte unveränderlich. BeiVeränderungen des Wertverhältnisses in den Jahren oder Jahrzehntenvor dem Währungswechsels kommt es ferner nicht darauf an, wie früherder Wert des Geldes im Verhältnis zu dem neuen Währungsmetall war,da, auch wenn die Ursache der Schwankungen auf der Seite desbisherigen Landesgeldes liegen sollte, eine restitutio in integrum nichtin Betracht kommt, sondern einzig und allein die möglichste Erhaltungdes nun einmal gegebenen Geldwertes. Zukunftsbetrachtungen über dieGestaltung des Wertverhältnisses sind höchst prekär; auch würde eineretwa vorauszusehenden Entwertung des bisherigen Währungsmetallskein Einflufs auf die Festsetzung der Relation eingeräumt werdendürfen, da es natürlich nicht in der Absicht liegen kann, das neueGeld an dieser Entwertung teilnehmen zu lassen; höchstens eine zuerwartende Wertsteigerung des neuen Währungsmetalls dürfte be-rücksichtigt werden. Ich deute diese Gedankengänge, die gelegentlichweit ausgesponnen worden sind, nur an. um zu zeigen, dafs man sichmit solchen Erwägungen auf durchaus nebelhaften Gebieten bewegt.

Die einzige stabile Grundlage für die dem Wälmmgswechsel zuGrunde zu legende Relation ist das Wertverhältnis, welches zur Zeit desWährungswechsels effektiv auf dem Markte besteht. Wenn dieses Wert-verhältnis zui' Zeit des Beginns der deutschen Münzreform mit ganz ge-ringen Schwankungen 1:15 '/2 war, wenn ferner der Wert des Thalersim grofsen Ganzen dem Werte seines Silbergehaltes von '/3o Pfund ent-sprach, sodafs mithin die neue Rechnungseinheit, die Mark, welcheein Drittel des Thalers sein sollte, gleich J /oo Pfund Feinsilber gesetztwerden konnte, so durfte man ihr Goldäquivalent ohne grofse Bedenken

1 1a uf - Pfund = Pfund normieren und danach den Gold-

90 X15 '/2 1395

inhalt der neuen Reichsmünzen bestimmen. Der neue Faden wurde aufdiese Weise gewissermafsen an demselben Punkte angeknüpft, an dem deralte abgeschnitten wurde. Freilich auchder Zeitpunkt des Währungs-