7. Kapitel. Die Erfordernisse des Geldes. §3. 351
Wo der Gebrauch von Goldgeld an Stelle des Gebrauchs vonSilbergeld tritt, wird mithin der Verkehr von einer ganz gewaltigentoten Last befreit; diese Thatsache macht sich nicht etwa nur beiden in Metall zu bewirkenden internationalen Zahlungsausgleichungenfühlbar, sie äufsert vielmehr bis weit hinab in die Schichten des täg-lichen Verkehrs ihre Wirkung darin, dafs der Gebrauch des Silber-geldes im grofsen Ganzen auf diejenigen Zahlungen beschränkt wird,für welche keine Goldmünzen zur Verfügung stehen. Das zeigt sichin der thatsächlichen Gestaltung der Umlaufsverhältnisse überall dortbesonders deutlich, wo es durch die Organisation des Geldwesens demVerkehr überlassen ist, sich nach seinen Bedürfnissen mit Gold- undSilbergeld zu versehen. In Deutschland kann der freie Verkehr ausden Beständen der Eeichsbank jederzeit soviel Silbergeld beziehen,als er braucht, und andrerseits kann er, da die Reichsbank Einzah-lungen in Silber zu jedem Betrage annimmt, das über seinen Bedarfhinausgehende Silber au die Reichsbank abstofsen. Für das Jahr 1896ist nun der Betrag der im freien Umlaufe 1 ) befindlichen Thaler undScheidemünzen aut 645 Millionen Mark berechnet worden gegen einenBetrag von 2120 Millionen Mark in Goldmünzen; nur etwa ein Viertelder freien metallischen Cirkulation kam mithin auf Silber-, Nickel-und Kupfermünzen, dagegen drei Viertel auf die Goldmünzen.
§ 4. Das Bedürfnis nach Geldstücken in verschiedener WertgröCse.
Wenn nun auch in den Ländern der europäischen Kultur bei demgegebenen Stande der Produktion, des Verkehrs und. des Konsums einer-seits, der Preise andrerseits das Gold den Erfordernissen des Geldesfür den gröfseren Teil der Cirkulation besser entspricht als das Silber,so kann doch kein Geldwesen ausschliefslich mit Goldmünzen aus-kommen. Das Bedürfnis, die verschiedensten Werte bis auf ganzkleine Unterschiede exakt in Geld und zwar in möglichst wenigenGeldstücken darstellen zu können, erfordert eiue gröfsere Anzahl vonGeldsorten, in welchen sich der Wert in einer Reihe von Abstufungenverkörpert. So grofs einerseits die Beträge sind, welche im Grofs-verkehr umgesetzt werden, so klein sind andrerseits mitunter dieWertbeträge und WertdifFerenzen, die in den unteren Schichten derVolkswirtschaft in Betracht zu ziehen sind. Von der Tausendmark-note bis zum Pfennigstück ist ein weiter Spielraum, der nur zumTeil durch Goldgeld ausgefüllt werden kann. Sowohl nach oben alsauch nach unten hat die Handlichkeit und Verwendbarkeit des Goldesihre Grenzen. Unter eine gewisse Gröfse kann man mit den Gold-münzen nicht herabgehen, ohne dafs sie unhandlich und leicht verlier-
1) D. h. außerhalb des Reichskriegsschatzes und der sämtlichen Notenbanken.