7. Kapitel. Die Erfordernisse des Geldes. § 5.
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die naturgemäfs meist nicht im besten und reinlichsten Zustandebefindlichen kleinen Papierscheine zu einem Gulden oder einer Lirageradezu unerträglich finden.
Die Unmöglichkeit, dem Verkehrsbedürfnis durch einen einzigenGeldstoff oder gar eine einzige Geldsorte zu genügen, stellt die dasGeldwesen regelnde und die Münzprägung ausübende Staatsgewalt vordie Aufgabe, ein ganzes System von sich gegenseitig ergänzendenGeldsorten aus verschiedenen Stoffen zu schaffen. Wenn das Geldseine Funktion als Mittel von Wertübertragungen in bequemer Weiseerfüllen soll, dann mufs die Auswahl der einzelnen Sorten, die so-genannte „Stückelung", zwei Bedingungen erfüllen. Die Stückelungsoll einerseits die Darstellung der verschiedensten Geldsummen durcheine geringe Anzahl von Geldstücken möglich machen, andrerseitsdie Verwechselung der verschiedenwertigen Geldstücke nach Möglich-keit ausschliefsen. Beide Forderungen widersprechen sich in gewisserWeise; die erstere verlangt eine vielgestaltige, die letztere eine einfacheStückelung. Je verschiedenere Sorten vorhanden sind, desto wenigereinzelne Stücke sind zur Darstellung beliebiger Summen erforderlich.Wenn z. B. zwischen dem 10 Pfennig- und 50 Pfennigstück keineMünze eingeschoben ist, kann der Betrag von 45 Pfennigen nur durchfünf Stücke (4 Zehnpfennigstücke und 1 Fünfpfennigstück) dargestelltwerden; ist aber ein Zwanzigpfennigstück vorhanden, so genügen dreiStücke (2 zu *20 und 1 zu 5 Pfennig). Je mehr Sorten vorhandensind, desto geringer müssen aber bei der durch die Gewohnheit fest-gelegten Form der Münzen, bei der geringen Münzgröfse und bei dergeringen Anzahl der in Betracht kommenden Geldstoffe die augen-fälligen Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten werden. Wo dierichtige Mitte liegt, darüber kann nur die praktische Erfahrung ent-scheiden, die bei uns in Deutschland beispielsweise gezeigt hat, dafsder Verkehr das früher für notwendig gehaltene 20 Pfennigstück sehrwohl entbehren kann; sowohl die ursprünglich eingeführten silbernenals auch die später eingeführten „nickeinen" Zwanzigpfennigstückesind in Wegfall gekommen, ohne dafs sie eine fühlbare Lücke hinter-lassen hätten.
§ 5. Technische und ästhetische Erfordernisse.
Die leichte Unterscheidbarkeit der Münzen, die bei der Auswahlder Stückelung mit in Betracht gezogen werden mufs, stellt aufser-dem gewisse technische Ansprüche an die Münzstücke. Vor allem istein deutliches Gepräge erforderlich, das es ermöglicht, die an Gröfseund Metallfarbe einander ähnlichen Stücke leicht auseinander zuhalten. Das wichtigte an der Münze ist der Wert, den sie darstellensoll; eine möglichst deutliche Wertbezeichnung erscheint deshalb ganz
Helffebich, Das Geld. 23