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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
354
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besonders geboten. Aber gerade gegen diesen Grundsatz wird häufiggenug verstofsen. Oft bedecken Bilder und Wappen mit mehr oderminder ausführlichen Inschriften die ganze Oberfläche der Münzstiicke rsodafs man die Wertbezeichnung erst mühsam heraussuchen mufs.Neben der Deutlichkeit in der Zeichnung des Gepräges ist ein weiteresErfordernis die Dauerhaftigkeit des Gepräges. Um die Münzstückenach Möglichkeit vor einer das Gepräge verwischenden und ihrenMetallgehalt verkürzenden Abnutzung zu schützen, wird allgemeinden Edelmetallen ein Zusatz von Kupfer gegeben (Legierung oder Be-, Schickung), der ihre Widerstandsfähigkeit gegen Abnutzung beträcht-lich erhöht; ferner werden die Münzstücke, um das Gegräge möglichstvor Abreibung zu schützen, mit erhöhtem Rande geprägt; die Eeifelungoder Prägung des Bandes selbst hat den Zweck, den Feingehalt derMünzen gegen betrügerische Verkürzung durch Befeilen sicher zustellen. Der Staatsfiskus selbst hat an diesen Schutzmafsregeln einebenso grofses Interesse wie der Verkehr. Da jedoch die Abnutzungauf die Dauer auch bei den besten technischen Vorkehrungen un-vermeidlich ist, bleibt für den Staat die Aufgabe bestehen, für diefortgesetzte Erneuerung des Münzumlaufs durch Beseitigung der ab-genutzten Stücke und durch Neuprägungen zu sorgen.

In Verbindung mit diesen technischen Erfordernissen ist einweiterer, sich auf das Äufsere der Geldstücke beziehender Punkt kurzzu berühren, der allerdings mehr in das Gebiet der Ästhetik als dereigentlichen Verkehrsbedürfnisse gehört. Jeder Staat sollte einengewissen Stolz hineinsetzen, seine Münzen mit einem geschmackvollenund gut ausgeführten Gepräge auszustatten und sie aus Legierungen»herzustellen, die sie nicht nur gegen Abnutzung schützen, sondernihnen auch bei ihrem Wege durch ungezählte Hände ein möglichstreinliches und freundliches Aussehen bewahren. Kein Bild kommtdem Volke im täglichen Verkehr so oft in die Hände und vor dieAugen, als das Gepräge seiner Münzen; jedes Münzstück sollte deshalbein kleiner Kunstgegenstand sein, den man mit Befriedigung betrachtenkann. Vor allem aber sollten auch bei den geringwertigen MünzenLegierungen vermieden werden, die schon nach kurzem Gebrauch einhäfsliches Aussehen annehmen, wie das namentlich bei der Metall-masse der Fall ist, aus der in Deutschland und einigen andern Länderndie sogenanntenNickelmünzen" geprägt werden; diese Masse enthält75 Teile Kupfer und nur 25 Teile Nickel, und die aus ihr geprägtenMünzen unterscheiden sich äufserst unvorteilhaft von den Münzen ausReinnickel, wie den schweizerischen 20 Centimesstücken und den neuenösterreichischen 20 und 10 Hellerstücken. Die grofse Unbeliebtheit,,auf welche das nickeine Zwanzigpfennigstück in Deutschland überallstiefs, ist ein Beweis dafür, dafs der Verkehr in dieser ästhetischen

Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.