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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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8. Kapitel. Die Geldsysteme. I. § 3.

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des gesamten Geldwesens ist hier preisgegeben; bei jedem Zahlungs-versprechen ist zu bestimmen, ob die Zahlung in Goldgeld oder Silber-geld zu leisten ist.

Bei der Doppelwährung dagegen ist das Geld bewufst alseine Einheit aufgefafst; als Währungsgrundlage dienen ihm beide Edel-metalle, die beide frei ausprägbar und durch eine bestimmte Wert-relation als miteinander zu einer Einheit verbunden gedacht sind. Nachdieser Wertrelation zwischen den beiden Edelmetallen bestimmt sichder Feingehalt der aus Gold und Silber geprägten Münzen, derenNennwert in einer und derselben Rechnungseinheit ausgedrückt wird.Wenn z. B. der französischen Doppelwährung das Wertverhältnis t kgGold = 15 72 kg Silber zu Grunde lag, wenn ferner die Eechnungs-einheit des Systems, der Frank, als dem Werte von 5 g Münzsilbervon 9 /io Feinheit entsprechend gedacht war, so ergab sich daraus für

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den Franken ein Äquivalent von- = g Mtinzgold von gleich-

X OjD t), 1

falls 9 /io Feinheit, dementsprechend für das Zwanzigfrankenstück20

ein Gehalt von g Münzgold. Die Auffassung des Geldwesans als3,1

einer untrennbaren Einheit kommt darin zum Ausdruck, dafs sichGold- und Silbermünzen zu dem ihnen beigelegten Nennwerte ver-treten können, sodafs der Schuldner nach seiner Wahl in Gold- oderSilbermünzen oder in beiden zahlen kann. Da nun aber das Wert-verhältnis zwischen Gold und Silber Schwankungen unterliegt, istdie gleichzeitige Abhängigkeit des Geldwertes von beiden Edelmetalleneine Fiktion, die sich nicht verwirklicht. Ein Frank kann nicht

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gleichzeitig mit 5 g Münzsilber und mit g Münzgold im Werteübereinstimmen, wenn 5 g Münzsilber nicht mit '- g Münzgold wert-

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gleich ist. Solange also das im freiem Verkehr thatsächlich bestehendeWertverhältnis zwischen den beiden Edelmetallen nicht genau mitder gesetzlichen Relation übereinstimmt und diese Übereinstimmungwar bei den geschichtlichen Doppel Währungssystemen nur ganz aus-nahmsweise in einzelnen Zeitpunkten vorhanden, kann immer nurdas eine oder das andere der beiden Edelmetalle, nicht aber beidegleichzeitig, für den Geldwert bestimmend sein. Der eigentümlicheMechanismus der Doppelwährung bringt es mit sich, dafs thatsächlichstets dasjenige Metall den Geldwert bestimmt, welches gegenüber demim freien Verkehr bestehenden Wertverhältnis in der gesetzlichenRelation zu hoch bewertet ist. Es wurde im historischen Teil aneiner Reihe wichtiger und für die Entwicklungsgeschichte der Geld-verfassung geradezu entscheidender Fälle gezeigt, dafs bei einer irgend