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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung-.

merkbaren Abweichung- des tatsächlichen Wertverhältnisses von dergesetzlichen Relation stets das in dem Münzgesetz zu hoch bewerteteMetall die Tendenz hat, den Umlauf auszufüllen und das zu niedrigbewertete Metall zu verdrängen. Das letztere bleibt den Münzstättenfern, da es dort weniger gilt als auf dem offenen Markte; die aus ihmgeprägten Münzen werden in erheblichen Beträgen eingeschmolzen,da ihr Metallgehalt gegenüber dem" aus dem andern Metall geprägtenOelde auf dem Edelmetallmarkte höher bewertet wird, als ihr Nenn-wert besagt. Meist überträgt sich die Abweichung des thatsäch-lichen Wertverhältnisses zwischen den ungeprägten Metallen auchauf das geprägte Geld, und es entsteht zwischen Gold- und Silber-geld eine Wertdifferenz, die sich, da der Schuldner das Recht hat, inden den Umlauf anfüllenden Münzen aus dem weniger wertvollenMetall nach ihrem Nennwerte zu zahlen, darin äufsert, dafs die Münzenaus dem höherwertigen Metall gegenüber ihrem Nennwerte ein Auf-geld erhalten. Der Wert der Geldeinheit leitet sich mithin von demgegenüber der gesetzlichen Relation weniger wertvollen Metall ab,das andere Metall wird für den Geldwert bedeutungslos, die aus ihmgeprägten Münzen fallen, indem sie eine schwankende Geltung be-kommen, aus dem System heraus.

Jede Änderung in der Lage des Edellmetallmarktes, die das Ver-hältnis der thatsächlichen zu der gesetzlichen Relation der beiden Me-talle umkehrt, bringt bei diesem System notwendigerweise auch einenWechsel in der Gestaltung derCirkulationsverhältnisse und in dem Metall,das den Geldwert bedingt, mit sich. Solange die Schwankungen des Wert-verhältnisses auf dem Edelmetallmarkt um die gesetzliche Relationoscillieren, wechseln mithin beide Edelmetalle in ihrer Eigenschaft alsGrundlage des Geldwertes miteinander ab. Man hat deshalb die Doppel-währung auchalternierende Währung" oder Alternativwährunggenannt. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dafs ein solches Alter-nieren nur solange stattfindet, als das freie Wertverhältnis der Metalleum das gesetzliche Wertverhältnis in der Weise schwankt, dafs balddas Gold, bald das Silber über wertet erscheint. Sobald jedoch die that-sächliche Wertrelation sich dauernd nach einer Richtung hin von demgesetzlichen Verhältnis entfernt, bildet das im Werte sinkende Metalldie bleibende Währungsgrundlage, genau wie bei einem monometallischenSystem; die-Doppelwährung wird thatsächlich zur einfachen Währung.Ein Beispiel dafür sind die Münzverhältnisse Mexikos . Die dort be-stehende Silberwährung geht zurück auf ein Doppelwährungssystemmit der Relation von 1 :15 1 /-2 zwischen Silber und Gold. Seitdem vonder ersten Hälfte der 70 er Jahre des 19. Jahrhunderts an der Silber-wert sich dauernd unterhalb dieser Relation gehalten und sich immerweiter von ihr entfernt hat, ist die Doppelwährung nur noch ein toter