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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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8. Kapitel. Die Geldsysteme. I. § 4.

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Buchstabe, und die wirklich bestehende Währung unterscheidet sich innichts mehr von einer reinen Silberwährung.

AlsBimetallismus" hat man ein Doppel Währungssystem be-zeichnet, das infolge einer vertragsmäfsigen Einführung in den wichtig-sten Kultur- und Handelsstaaten stark genug sein soll, um alle Abwei-chungen des thatsächlichen Wertverhältnisses der Edelmetalle von derdem System zu Grunde gelegten Eelation gänzlich auszuschliefsen; würdediese Erwartung zutreffen, so hätte man es bei diesem System in derThat nicht mehr mit einer alternierenden Währung zu tliun, sondern miteinem System, bei dem der Wert des Geldes gleichzeitig durch beideunter einander zu einer Werteinheit verbundenen Edelmetalle bestimmtwerden würde. Mit der Durchführbarkeit dieses Systems haben wiruns an andrer Stelle zu beschäftigen.

§ 4. Die Unterarten der freien Währung.

Innerhalb des Kreises der freien Währungen haben wir fol-gende Arten zu unterscheiden:

1. Die einfache Papierwährung, bei welcher in Metallgeld nichteinlösbare Scheine, denen gegenüber das ursprüngliche Metallgeld einschwankendes Aufgeld geniefst, zu ihrem Nennwerte gesetzliches Zahlungs-mittel sind und infolgedessen allgemein als Geld gebraucht werden. DerWert der Geldeinheit unterliegt hier gegenüber dem Werte des ihrursprünglich zu Grunde liegenden Metallquantums den fortgesetzten,in dem Kurs des ursprünglichen Metallgeldes oder unmittelbar in demPreis des ursprünglichen Währungsmetalls zum Ausdruck kommendenVeränderungen. Nach unten hin ist bei der Papierwährung die Schwan-kungsmöglichkeit des Geldwertes unbegrenzt, das Papiergeld kann sichbis auf den Nullpunkt entwerten. Nach oben hin jedoch ist dem Geld-werte durch die nach wie vor freie Ausprägbarkeit des ursprünglichenWährungsmetalls eine Grenze gezogen: höher als bis zur Parität mitdem Metallgelde, auf welches die Scheine lauten, kann das Papiergeldnicht steigen, und der Wert des Metallgeldes kann seinerseits nicht höhersein, als der Wert des Währungsmetalls zuzüglich der Prägekosten.

2. Die Währungen mit gesperrter oder beschränkter Prägungdes ursprünglichen Währungsmetalls. Praktisch kommen nur solcheWährungen in Betracht, die ursprünglich auf dem Silber ruhten, beidenen jedoch der Geldwert durch die Einstellung der Silberprägung vondem sich fortgesetzt entwertenden Silber unabhängig gemacht wurde.')

1) Bei der grol'sen Steigerung der Goldproduktion und der enormen Geld-flüssigkeit, die um die Mitte der 90er Jahre in Europa bestand, ist allerdings inenglischen Blättern der Gedanke einer Einstellung der Goldprägungen diskutiertworden. Die Anregung wurde aber nirgends ernst genommen, wenigstens nicht vonernsthaft zu nehmenden Leuten.