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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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8. Kapitel. Die Geldsysteme. II. § 6.

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unterwertige Silbermünze ist als ein notwendiges Übel dem Sj^stem derGoldwährung eingefügt worden, und es ist an und für sich als eindurchaus berechtigtes Verlangen anzuerkennen, dafs dieses Übel mög-lichst auf den Umfang beschränkt bleiben soll, der die Erhaltungeines dem Yerkehrsbedarf entsprechenden Umlaufs von Silbermünzenim Rahmen der Goldwährung sicher stellt. Nachdem aber durch denselbstthätigen Gang der Dinge sich eine weit gröfsere Unterwertigkeitdes Silbergeldes herausgestellt hat, und nachdem der Betrag des unter -wertigen Silbergeldes in den Ländern mit hinkender Goldwährungeinen nicht unerheblich gröfseren Umfang angenommen hat, als ur-sprünglich beabsichtigt war, sind die sich aus dieser ungewollten Ent-wicklung ergebenden Bedenken, die im Währungsstreit zeitweise einegrofse Eolle gespielt haben, zu prüfen und mit den Aufwendungenzu vergleichen, die eventuell zur Abstellung des Mifsstandes gemachtwerden müfsten.

Das erste Bedenken ist folgendes.

Man hat die Befürchtung ausgesprochen, unsere Silbermünzenmöchten, da ihr Silbergehalt so weit hinter ihrem Nennwerte zurück-bleibt, in betrügerischer Weise in ihrem richtigen Feingehalt und Ge-wicht nachgeprägt werden. Da man jetzt bereits für 6265 Markein Kilogramm Silber kaufen kann, aus dem 200 Einmarkstückehergestellt werden können, wäre bei einer solchenechten Nach-prägung" in der That ein ganz aufserordentlicher Gewinn zu machen,und man hat behauptet, die durch solche Gewinnmöglichkeiten ge-schaffene Versuchung sei zu grofs, als dafsechte Nachprägungen"nicht in erheblichem Umfange stattfinden sollten.

Gegenüber dieser Befürchtung ist jedoch zu erwägen, dafs solcheNachprägungen, wenn sie sich nicht bereits durch mangelhaftes Ge-präge verraten sollen, nur mit sehr komplizierten Maschinen, mit be-deutendem Kapital und mit einer Anzahl von Arbeitern und Gehilfen,also mit einer Anzahl von Mitwissern, hergestellt werden können. Einsolcher Betrieb könnte unmöglich lange verborgen bleiben. Thatsäch-lich hat man, in Deutschland wenigstens, bisher noch keine Versuchedieser Art festgestellt; trotz des niedrigen Silberpreises haben dieFalschmünzer bei dem grofsen Risiko ihres Gewerbes überall durchdie Verwendung geringwertiger Legierungen zu profitieren gesucht.Jedenfalls ist und das haben die Regierungsvertreter in der deutschenSilberkommission von 1894 ausdrücklich anerkannt die Gefahr derFälschung von Papiergeld und Banknoten bei dem heutigen Stande derVervielfältigungstechnik beträchtlich gröfser, als die Gefahr der echtenNachprägung von Silbermünzen.

Von erheblicherer Bedeutung ist ein zweites Bedenken.

Wir wissen, dafs kein Geldsystem ohne unterwertiges Geld aus-