420 Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung'.
derjenigen Staaten, die mit einer gesicherten Goldwährung in denVertrag eingetreten sind, eine wesentlich ungünstigere als zur Zeitdes Vertragsabschlusses. Die während der Vertragsdauer ausgeprägtenSilbermünzen würden den Staat mit einer fortdauernden Verantwort-lichkeit belasten, sie würden eine Bedrohung des Geldwesens bilden,und die Rückkehr zu gesicherten WährungsVerhältnissen, wie sie vordem Vertragsabschlufs bestanden, würde nur unter enormen Opfernmöglich sein.
In diesen Bedenken ist eines der stärksten Hindernisse zu suchen,die sich in dem Vierteljahrhundert der bimetallistischen Agitation demAbschlüsse eines Doppelwährungsvertrags entgegengestellt haben.Die meisten Menschen sind gewissenhafter, als sie selbst glauben, so-bald sie in verantwortliche Stellungen kommen. Das hat sich in derFrage des Bimetallismus mit aller Deutlichkeit darin gezeigt, dafsStaatsmänner, die als unverantwortliche Politiker und Parlamentariermit grofsem Eifer die bimetallistische Idee vertreten hatten, sich vorder praktischen Verwirklichung ihrer Ideale, nachdem sie zur Begie-rimg gekommen waren, doch noch eines andern besonnen haben. Dazugehört z. B. der gegenwärtige englische Premierminister ArthurBalfour , auf den gerade die deutschen Bimetallisten vor seinem Ein-tritt in das englische Kabinett so grofse Hoffnungen gesetzt hatten,um dann eine um so schwerere Enttäuschung zu erfahren. Auch derfrühere preufsische Finanzminister von Scholz , der anfänglich gleich-falls einige bimetallistische Neigungen hatte, hat gelegentlich erklärt,durch das pflichtgemäfse Studium der bimetallistischen Vertragsent-würfe, welche der Pariser Münzkonferenz von 1881 unterbreitet wurden,sei er bekehrt worden. Er habe niemals einen bimetallistischen Ver-tragsentwurf gesehen, den ein Staatsmann unterzeichnen könne, dersein Vaterland lieb habe und es nicht verraten wolle.
§ 7. Die Währungsgleichheit auf der Grundlage des Goldes.
Die Entwicklung des letzten Jahrzehnts hat gezeigt, dafs einFortschritt in der internationalen Währungsgleichheit auch ohne ver-tragsmäfsige Doppelwährung möglich ist. Das Bedürfnis der wirt-schaftlich noch weniger entwickelten Silberwährungsländer und derin die Papierwährung geratenen Kulturstaaten nach einem engen An-schlufs und einem ungestörten Verkehr mit den grofsen den Weltmarktbeherrschenden Handelsstaaten hat — in Verbindung mit der Steige-rung der Goldproduktion — den im historischen Teil geschildertenEntwicklungsprozefs herbeigeführt, durch welchen das Gold die Wäh-rungsgrundlage für den ganz überwiegenden Teil aller am Weltver-kehr beteiligten Länder geworden ist. Die schweren Schädigungen,die während einiger Jahrzehnte aus den Valutaschwankungen zwischen