10. Kapitel. Der Geldbedarf. § 1.
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noch mit denselben Augen angesehen, wie etwa die Schätze indischerFürsten, deren Anhäufung Selbstzweck ist und in keiner speciellenVerwendung eine Bedarfsgrenze findet.
Erst die Erkenntnis, dafs die Nützlichkeit des Geldes ebenso wiedie aller anderen Güter darin besteht, dafs es bestimmte wirtschaft-schaftliche Zwecke erfüllt, und dafs das Geld überflüssig ist, soweites zur Verrichtung seiner speciellen Funktionen nicht benötigt wird,hat zum Nachdenken über die Gröfse des Geldbedarfs Anlafs gegeben.Die Erkenntnis ferner, dafs die Gegenstände, welche die Funktiondes Geldes erfüllen, dem unmittelbaren Gebrauch und Verbrauch ent-zogen sind und nur dazu dienen, die Übertragungen der Gebrauchs-und Verbrauchsgüter zu vermitteln, hat schliefslich dazu geführt, dafsman — im direkten Gegensatz zu der ursprünglichen Auffassung — einenVorteil darin erblickte, mit möglichst wenig Geld die dem Gelde ob-liegenden Verrichtungen zu erfüllen. Das Geld ist gewissermafsen dieMaschine, welche die in unserer Wirtschaftsverfassung notwendigenÜbertragungen bewirkt; und ebenso, wie man bei allen anderenMaschinen einen Vorteil in der möglichst billigen Herstellung und demmöglichst billigen Betrieb findet, ebenso hat die Volkswirtschaft einInteresse daran, dafs ein möglichst geringes Geldquantum zur Ver-mittelung der Übertragungen benötigt wird. Schon Adam Sjiith hatdie Ersparung von Metallgeld durch den Gebrauch von papiernenGeldzeichen mit der Ersparung verglichen, die eintreten würde, wennder Transport von Gütern, der Strafsen benötigt und dadurch Boden-fiächen dem Ackerbau entzieht, teilweise durch die Luft bewirktwerden könnte, sodafs die Strafsenfläche für die landwirtschaftlicheProduktion verfügbar würde.
Die ersten Vorstellungen, welche sich über die Gröfse des Geldbe-darfs bildete, ging dahin, dafs eine Gleichung bestehen müsse zwischendem Gesamtbetrag des in einem Lande vorhandenen Geldes einerseitsund der Gesamtmenge der übrigen Waren andrerseits. Diese An-schauung ist nachweisbar schon im Jahre 1588 von Davanzati (Lezionesulle monete) vertreten worden; nach seiner Darstellung sind alleDinge, welche zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse dienen,durch Konvention allem Golde, Silber und Kupfer an Werte gleich,wobei sich die Teile wie das Ganze verhalten. Der englische Philo-soph Locke hat diese Ansicht übernommen und sie durch das Gleich-nis einer Wage, auf deren einer Schale die Waren, auf deren andererdas Geld liegt, verdeutlicht. Beide Schalen dieser grofsen Wagemüssen sich nach seiner Ansicht in stetem Gleichgewichte befinden.Die Beziehung zur Theorie des Geldwertes liegt hier sehr nahe: dieGleichung zwischen Geld und Waren kann nur eine Gleichung desWertes der beiden grofsen in ihrer Menge veränderlichen Güterkate-