436 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
Notendeckung
erforderlichen Bargeldbe-
schon für die Zwecke derStandes möglich gemacht.
Der Check- und Giroverkehr verringert infolge der dargestelltenWirkungen zweifellos den Gesamtbetrag an Kassenvorrat, der für dieBewerkstelligung einer bestimmten Summe von Zahlungsausgleichungeninnerhalb eines bestimmten Zeitraums gehalten werden mufs. Gleich-zeitig erhöhen diese Zahlungseinrichtungen jedoch die „sichtbarenGeldvorräte"; denn das in den Banken konzentrierte Geld gelangtdurch deren Ausweise zur allgemeinen Wahrnehmung, welcher dieKassenvorräte der Einzelhaushalte und Einzelunternehmungen ent-zogen sind. Es kommt hinzu, dafs diese sichtbaren Geldbestände, aufderen Grundlage sich der Check- und Giroverkehr vollzieht, sich ineinem dauernden Kuhezustande befinden und nur verhältnismäfsig ge-ringen Veränderungen unterliegen im Gegensatz zu den Kassen-beständen der gewöhnlichen Einzelwirtschaften, die sich in mehr oderweniger raschem Wechsel erschöpfen und wieder füllen; während mandie Kassenvorräte der Einzelwirtschaften zum „cirkulierenden Geld - 'rechnet, werden die sichtbaren Bestände der grofsen Banken als derCirkulation entzogen aufgefafst. An diesen Unterschied ist in einemneueren Werke angeknüpft worden, um weitgehende Folgerungen fürdie Theorie des Geldes und für die praktische Gestaltung des Geld-wertes in den letztverflossenen Jahrzehnten zu ziehen. In seiner„Bankpolitik" ! ) stellt Scharling dem „cirkulierenden Geld" das„ruhende Geldkapital" gegenüber, und er versteht unter dem letzterendiejenigen Geldsummen, welche die Banken vorrätig halten müssen,um jederzeit ihrer Verpflichtung, die deponierte Geldsumme zur Ver-fügung ihres Besitzers zu stellen, genügen zu können; das sind imwesentlichen die Bestände, auf deren Grundlage sich der Check- undGiroverkehr vollzieht. Scharling führt diesen Unterschied auf einenUnterschied in den Funktionen des Geldes zurück; das Geld hat nachseiner Ansicht neben der Funktion, als allgemeines Cirkulationsmittelzu dienen, noch die andere, disponibles Kapital zu repräsentieren; dieerstere Funktion wird durch das „cirkulierende Geld", die letzteredurch das „ruhende Geldkapital" erfüllt. Die Konsequenzen, dieScharling daraus für die Gestaltung des Geldwertes zieht, lassensich hier noch nicht im einzelnen prüfen, müssen jedoch der Voll-ständigkeit halber und zur Charakterisierung der Tragweite derScHARLiNGSchen Unterscheidung in Kürze dargestellt werden. Er be-hauptet, dafs die stete Zunahme von Kapitalvorräten eine stete Zu-nahme der ruhenden Geldkapitalien erfordere, dafs mithin von derNeugewinnung an Gold oft nur ein verschwindender Teil „in Cirku-lation" komme; die Geldkapitalien könnten aber, solange sie sich im
1) W. Scharling . Bankpolitik. 1900.