10. Kapitel. Der Geldbedarf. § 2.
435
ausgäbe bei einer und derselben Bank eine aufserordentliche Steigerungder Möglichkeit einer intensiven Ausnutzung des Bargeldes. Es seiin diesem wichtigen Punkte auf die interessanten Erfährungen derdeutschen Reichsbank verwiesen. 1 ) Giroguthaben und Notenumlaufstehensich darin gleich, dafs beide zwar nicht eine volle Deckungdurch Metallgeld, immerhin aber eine Deckung durch Metallgeld er-fordern, die für alle möglichen Eventualitäten zur Aufrechterhaltungder baren Auszahlungen und der Noteneinlösung genügt. Nun hat sichgezeigt, dafs die Höhepunkte und Tiefpunkte der sogenannten „fremdenGelder", die in der Hauptsache Giroguthaben sind, und der Notenausgabeauf verschiedene Zeitpunkte fallen, dafs sich mithin die Bewegungendieser beiden Passivposten untereinander in weitem Umfange aus-gleichen. Die Spannung zwischen dem Höchst- und Mindestbetrag dersämtlichen täglich fälligen Verbindlichkeiten der Reichsbank (Noten +fremde Gelder) war in den 25 Jahren von 1876—1900 mit Ausnahmeeines einzigen Jahres prozentual geringer als die Spannung zwischendem Maximum und Minimum des Notenumlaufs allein; in 17 vonden 25 Jahren war die Spannung sogar dem absoluten Betrage nachkleiner bei den sämtlichen täglich fälligen Verbindlichkeiten, als beidem Notenumlauf allein. Wenn man die durch Barvorrat nicht ge-deckten sämtlichen täglich fälligen Verbindlichkeiten und die durchBarvorrat nicht gedeckten Noten miteinander vergleicht, so war demabsoluten Betrage nach in dem bezeichneten Zeitraum, mit Ausnahmevon zwei Jahren, die Spannung der ungedeckten Noten allein gröfser,als die Spannung der sämtlichen durch Barvorrat nicht gedeckten Ver-bindlichkeiten. Die am weitesten gehende Kompensation von Noten undfremden Geldern hat im Jahre 1892 stattgefunden, in welchem dieSpannung des ungedeckten Notenumlaufs 415 Millionen Mark, die derdurch Barvorrat nicht gedeckten sämtlichen täglich fälligen Verbind-lichkeiten dagegen nur 197 Millionen Mark betragen hat. Infolgedieser gegenseitigen Ausgleichung aber braucht die Bank für Notenund fremde Gelder zusammen nur einen wesentlich geringeren Bestandvon Bargeld als Deckung zu halten, als zwei getrennte Banken haltenmiifsten, von denen die eine den gleichen Giroverkehr, die andere dengleichen Notenumlauf hätte, ja man kann auf Grund der bisherigenErfahrungen sagen: die Reichsbank braucht für ihre Noten undfremden Gelder kaum einen höheren Barvorrat, als sie ihn für ihreNoten allein nötig hätte; mit andern Worten: die Kombination vonNotenausgabe und Giroverkehr hat eine nahezu um die ganzenMilliardenumsätze des Giroverkehrs (1902: 169 Milliarden Mark) ge-steigerte Ausnutzung des in der Reichsbank liegenden und allein
1) Vergl. Die Denkschrift „Die Reichsbank 1876—1900", S. 67, 68.
28*