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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
434
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434 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

Es mufs dem Bande über das Kredit- und Bankwesen vorbehaltenbleiben, die Bargeldübertragungen ersparenden Einrichtungen eingehenddarzustellen; hier kann nur auf die wichtigsten Züge hingewiesen werden.

Nehmen wir zunächst die Übertragung der Kassenführung fürEinzelwirtschaften an Bankinstitute uud den sich daran anschliefsen-den Giro- und Checkverkehr. Hier ist es klar, dafs in der Konzen-tration der Kassenführung für eine grofse Anzahl von Haushaltenund Unternehmungen an einer einzigen Stelle allein schon ein Bar-geld ersparendes Moment liegt. Eine Bank, die für 1000 PersonenZahlungen leistet und empfängt, braucht nicht entfernt eine ebensogrofse Kasse zu halten, wie die 1000 Personen zusammengenommenohne diese Konzentration halten müfsten. Denn einmal verteilensich die Zahlungsleistungen und Eingänge auf verschiedene Zeitpunkte,und dann ist, da die einzelnen Kunden derselben Bank vielfach aneinander Zahlungen zu leisten haben, die Möglichkeit gegeben, dieZahlungen durch blofse Umschreibungen in den Büchern der Bankauszugleichen. Beim Giroverkehr einer grofsen Bank mit zahlreichenFilialen nehmen die notwendig werdenden Auszahlungen gegenüberden Buchübertragungen einen verschwindend geringen Raum ein. Ver-möge dieser Konzentration des Zahlungsprozesses kann dieselbe Summevon Zahlungsausgleichungen auf Grund eines Bruchteils des sonstnötigen Bargeldbestandes bewirkt werden; die Banken sind infolge-dessen im stände, einen erheblichen Teil der ihnen anvertrauten Kassen-bestände im Wege der Kreditgewährung dem freien Verkehr wiederzur Verfügung zu stellen, zum Teil können sie die Guthaben selbst, aufGrund deren sich die Zahlungsausgleichungen vollziehen, im Wege derKreditgewährung schaffen, etwa indem sie Wechsel diskontieren undden Betrag, statt ihn in Metallgeld oder Noten auszuzahlen, dem Ein-reicher des Wechsels auf seinem Konto gutschreiben.

Eine noch weitere Steigerung erfährt die Intensität der Aus-nutzung des Bargeldes, wenn die einzelnen kassenführenden Bankenuntereinander in ein Abrechnungsverhältnis treten und die durch dieKassenführung für ihre Kunden von Bank zu Bank erwachsendenForderungen untereinander ausgleichen. Ihre höchste Vervollkomm-nung hat diese Einrichtung in der Organisation der Abrechnungs-stellen (Clearinghäuser) in London und an deutschen Bankplätzen ge-funden. Hier kompensieren die einzelnen Banken ihre gegenseitigenForderungen in der Weise, dafs auch die verbleibenden Salden nichtzur baren Auszahlung gelangen, sondern ihre Ausgleichung durch Giro-übertragungen in den Büchern der Centraibank, der Bank von Eng-land und der Reichsbank, finden, ohne dafs überhaupt ein PfennigBargeld in Bewegung gesetzt zu werden braucht.

Ebenso ergiebt die Kombination des Giroverkehrs und der Noten-