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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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10. Kapitel. Der Geldbedarf. § 2.

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Ferner können die Kassen Vorräte, welche die einzelnen Privat-wirtschaften halten müssen, im Verhältnis zn der Gesamtheit der durchGeld zu bewirkenden Umsätze um so kleiner sein, je entwickelter derKreditverkehr ist, der das bare Geld von den Stellen, an denen es augen-blicklich nicht benötigt wird, den Stellen zuführt, an denen zur Zeit einGeldbedarf besteht; denn je mehr das Ausleihen vorübergehend nichtbenötigter Beträge sich einbürgert, desto gröfser ist die Sicherheit fürdie Einzelwirtschaften, dafs sie gegebenenfalls das erforderliche Bargeldim Wege des Kredits beschaffen können, desto geringer ist mithin dieNotwendigkeit der Haltung grofser Kassenreserven. Wir stofsen hierauf die wichtige Thatsache, dafs der Kredit den Geldbedarf nicht nur inder von der sogenanntenherrschenden Theorie" allein hervorgehobenenWeise verringert, indem er nämlich Umsätze vermittelt, die sonst durchbares Geld zu vermitteln wären, sondern auch dadurch, dafs er denÜbergang des Bargeldes von Hand zu Hand fördert und damit denBetrag der durch das einzelne Geldstück innerhalb einer gegebenenZeit vermittelten Übertragungen steigert; mit andern Worten: dadurchdafs er die Cirkulationsgeschwindigkeit des Geldes erhöht und so zueiner intensiveren Ausnutzung der vorhandenen Geldvorräte führt.

Während auf diesem Wege der Kredit den Bedarf an Kassen-vorräten im Verhältnis zur Gesamtheit der Übertragungen zu ver-ringern geeignet ist, beobachten wir weiterhin, dafs sich auf gewissenArten von Barvorräten vermöge des Kredits Zahlungseinrichtungen auf-bauen, die ebenso oder gar in noch höherem Grade als die Steigerungder Cirkulationsgeschwindigkeit des Geldes eine intensivere Ausnutzungder vorhandenen Geldbestände zu den Zwecken der Verkehrsvermitte-lung ermöglichen. Hierher gehören die grofsen Barbestände der Banken,auf deren Grundlage sich der Checkverkelir, der Giroverkehr und derAbrechnungsverkehr abspielen. Da die Umsätze im Check-, Giro- undAbrechnungsverkehr Barbestände zur Voraussetzung haben, ist dieMeinung irrig, dafs diese Umsätze sich unter einer unmittelbaren undvölligen Ersparung von Bargeld vollziehen; erspart wird vielmehr beidiesen Einrichtungen zunächst nur die Bargeld üb er tragung: dasBargeld bleibt bei den auf seiner Grundlage bewirkten Umsätzen inden Kassen der Banken im Ruhezustände. Aber diese Einrichtungenstellen eine intensivere Art der Ausnutzung des Bargeldes dar, alssie durch die gewöhnlichen Bargeldübertragungen herbeigeführt werdenkönnte, und diese intensivere Ausnutzung des Bargeldes wird nichterreicht wie in dem vorhin betrachteten Falle des Leihverkehrsin Geld durch eine Steigerung der Beweglichkeit und der Be-wegungen des Geldes, sondern umgekehrt, da sie sich auf Grundruhender Geldvorräte vollzieht, bei gleichzeitiger Verminderung dereffektiven Cirkulationsgeschwindigkeit des Geldes.

Helfferich, Das Geld. 28