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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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11. Kapitel. Die Geldversorgung. § 5.

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an Edelmetall ermittelt, so entstehen die weiteren Fragen, wievielvon dem verarbeiteten Edelmetall neu produziert, wieviel altes Ma-terial ist, wieviel aus dem Münzumlauf des eignen Landes entnommenist und wieviel aus der Einsckmelzung fremder Münzen stammt. Dieseletzteren Fragen können wenigstens annäherungsweise beantwortetwerden durch Nach Weisungen der Münzanstalten, der offiziellen Probier-ämter, der grofsen Scheideanstalten u. s. w. über den Umfang und dieHerkunft der an Gewerbetreibende u. s. w. verkauften Edelmetall-mengen. Auf der Grundlage solcher Nachweisungen beruhen seit demJahre 1889 die Ermittelungen des amerikanischen Münzdirektors überden industriellen Edelmetallverbrauch in den Vereinigten Staaten (NachWeisungen der Münze in Philadelphia , des United States AssayOffice in Newyork und privater Scheideanstalten). Es fehlt jedochbei diesem Verfahren an Anhaltspunkten für die Beträge von Münzen,welche von den einzelnen Goldschmieden und andern Edelmetall ver-arbeitenden Industriellen selbst eingeschmolzen und damit aus dermonetären in die industrielle Verwendung übergeführt werden. Deramerikanische Münzdirektor macht für diese Beträge einen mehr oderweniger willkürlich geschätzten Zuschlag. Die deutsche Enquete von1896 und 1897 hat sowohl die Nachweisungen der Scheideanstaltenüber Umfang und Herkunft des an Gewerbetreibende verkauften Ma-terials benutzt, als auch die einzelnen Gewerbetreibenden über den Um-fang und die Art des von ihnen verwendeten Goldes befragt. Auchder amerikanische Münzdirektor hat in der letzten Zeit seine Er-hebungen wieder durch eine solche Anfrage bei den einzelnen Gewerbe-treibenden zu ergänzen gesucht; die Resultate sind jedoch noch nicht ver-öffentlicht. ') Fast jeder Anhaltspunkt für die Beurteilung der Her-kunft des in der Industrie u. s. w. verarbeiteten Materials fehlt beiden Nachweisungen über die bei den Probierämtern oder Punzierungs-ämtern gestempelten Gold- und Silberwaren, wie wir sie z. B. fürFrankreich und Österreich-Ungarn besitzen.

Diese Ausführungen zeigen, mit welcher Vorsicht auch die auf denfleißigsten Untersuchungen beruhenden Schätzungen des industriellenVerbrauchs der Edelmetalle zu beurteilen sind. Bei allen solchenAufstellungen haben wir es bestenfalls mit Näherungswerten zu thun,die sich innerhalb nicht zu enger Fehlergrenzen bewegen.

Soetbeer hat im Jahre 1886 2 ) folgende Übersicht über den in-dustriellen Verbrauch von Gold und Silber in den wichtigsten Ländernder europäischen Kultur gegeben:

1) Vergl. den Report of the Director of the Mint. 1901. S. 44.

2) Materialien u. s. w. S. 38.