462 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgmig- und Geldwert.
metall und die Verwendung des Schmelzergebnisses zur Ausprägung vonMünzen ist trotz des höheren Form wertes dieser Gegenstände keines-wegs etwas Ungewöhnliches; namentlich ist es eine bekannte Erfah-rung, dafs in Zeiten einer akuten Steigerung des Geldbedarfs, wiez. B. bei Kriegen und politischen Katastrophen, grofse Mengen vonGeräten u. s. w. aus Edelmetall zur Ausmünzung gebracht werden.
Alle diese Ausführungen beziehen sich lediglich auf die frei aus-prägbaren Edelmetalle, bei denen allein die selbstthätig wirksamenKräfte des Verkehrs über das Verhältnis der Verwertung zu mone-tären und industriellen Zwecken entscheiden können; sie gelten nicht,soweit die Prägung des einen oder andern der beiden Edelmetalle be-schränkt und in das Belieben der Regierung gelegt oder gar gänzlicheingestellt ist. Bei beschränkter Prägung bestimmt vielmehr dieStaatsgewalt den Betrag des Edelmetalls, der zu Geldzwecken ver-wendet werden soll, und der ganze Rest des Edelmetallquantums bleibtfür Gebrauchszwecke verfügbar und mufs für solche Zwecke Absatzfinden. Bei gesperrter oder beschränkter Prägung des Währungs-metalls äufsert sich eine Steigerung des Geldbedarfs, die bei freierPrägung Edelmetall für die monetäre Verwendung heranzuziehen unddamit die Gesamtmenge des monetären Zwecken dienenden Edelmetallszu vergröfsern geeignet wäre, nach einer andern Richtung: in einerErhöhung des Wertes des geprägten Edelmetallgeldes über den Wertdes ungeprägten Metalls.
§ 5. Die Statistik des industriellen Edelmetallverbrauchs.
Die statistische Erfassung des industriellen und des monetärenVerbrauchs der Edelmetalle begegnet noch weit gröfseren Schwierig-keiten, als etwa die Feststellung der Edelmetallproduktion und derinternationalen Edelmetallbewegungen.
Schon die Ermittelung, wie viel Gold und Silber jährlich in deneinzelnen Ländern in der Industrie Verwendung findet, wird bei dergrofsen Anzahl der Betriebe, die hier in Betracht kommen, kaum je-mals einwandfrei möglich sein. Die genauesten Erhebungen über dieindustrielle Verwendung der Edelmetalle werden seit Jahrzehnten inden Vereinigten Staaten veranstaltet, und dort hat sich früher derdie Erhebungen leitende Münzdirektor mit seinen Anfragen direkt andie Gewerbetreibenden, die Edelmetall verarbeiten, gewendet. Aucheine im Deutschen Reich in den .Jahren 1896 und 1897 veranstalteteUntersuchung hat diesen Weg eingeschlagen. Bei dieser Art der Er-hebung liegt zunächst die Gefahr vor, dafs man von einer grofsenAnzahl der Befragten überhaupt keine oder unrichtige Angaben er-hält. Ist aber eine ungefähre Ziffer für den gesamten Jahresverbrauch