11. Kapitel. Die Geldversorgung. § 4.
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dürfnissen verwendet werden kann; und zweifellos dient die industrielleVerwendung der Edelmetalle gegenüber der monetären Verwendungeinem Luxuszweck.
Eine ähnliche Wahrnehmung ist von besonderer Wichtigkeit fürdie Beurteilung der Frage, wie die G-leichmäfsigkeit oder Ungleich-mäfsigkeit der Verteilung des Volksreichtums auf das Verhältnis dermonetären und industriellen Verwendung der Edelmetalle einwirkt.Je ungleichmäfsiger die Verteilung des Nationalvermögens ist, je mehrgrofse Vermögen in den Händen einzelner angesammelt sind, und jegeringer der Wohlstand der breiten Masse eines Volkes ist, destogröfser ist der Teil des gesamten Nationalvermögens, der Luxusbe-dürfnissen dient. Man braucht sich nur das eine Extrem der absolutgleichmäfsigen Verteilung des Vermögens und Einkommens vorzu-stellen; die breiten Schichten des Volkes würden eine etwas auskömm-lichere Existenz haben, aber niemand innerhalb der ganzen Volks-wirtschaft würde im stände sein, Kostbarkeiten irgendwelcher Art zubeschaffen. Die Nachfrage nach Edelmetall zu Luxuszwecken würdemithin aufserordentlich zusammenschrumpfen. Auf der andern Seitehaben Avir — speciell an dem Beispiele Frankreichs — gesehen, dafseine gleichmäfsige Verteilung des Volkswohlstandes den Bestand vonEdelmetall in Geldform zu erhöhen geeignet ist. Je weniger gleich-mäfsig die Verteilung der Vermögen innerhalb einer Volkswirtschaftist, desto gröfser wird deshalb im allgemeinen der zu Gebrauchszweckendienende Teil des nationalen Edelmetallbestandes gegenüber dem mone-tären Zwecken dienenden Teil sein.
Die Grenze zwischen dem monetären und dem nichtmonetärenEdelmetallbestande einer Volkswirtschaft ist keineswegs eine feste.Bei der Kostbarkeit der Edelmetalle ist der Wert der Form, in diesie gebracht sind, relativ gering; infolgedessen ist die Überführungder Edelmetalle von der einen Verwendungsart zur andern in ähn-licher Weise leicht, wie die internationale Bewegung der Edelmetalleinfolge der relativ geringfügigen Transportkosten. Namentlich wirdgemünztes Metall in grofsem Umfange eingeschmolzen und als Materialfür Schmucksachen u. s. w. benutzt, da der Formwert der fabrikmäfsigim grofsen hergestellten Münzen gegenüber ihrem Stoffwerte gänzlichunbedeutend ist. Beispielsweise beträgt die von den deutschen Münz-stätten erhobene Prägegebühr für das 20 Markstück nur 4,3 Pfennig.Bei dieser geringfügigen Wertdifferenz zwischen geprägtem und un-geprägtem Edelmetall ist es, namentlich wenn es sich um kleine Quan-titäten handelt, stets einfacher und häufig billiger, sich das benötigteGold durch Einschmelzen von Münzen zu beschaffen, die im Verkehrin jedem Augenblick erhältlich sind, als Goldbarren zu beziehen. —Aber auch die Einschmelzung von Geräten und Schmucksachen aus Edel-