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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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460
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460 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

gegenständen, als Material zum Vergolden und Versilbern, zum Plom-bieren von Zähnen u. s. w. Man fafst die Verwendung der Edelmetallezu nichtmonetären Zwecken zusammen alsindustrielle Verwendung".Über die theoretischen Beziehungen der monetären und der industriellenVerwendung der Geldmetalle ist wenig zu sagen. Es liegen hier die-selben Verhältnisse vor wie bei allen andern Gütern, die für ver-schiedene Verwendungszwecke in Betracht kommen. Die Intensitätund die Zahlungsfähigkeit der Nachfrage für die verschiedenen inBetracht kommenden Verwendungen entscheiden über das Verhältnis,in welchem sich der gesamte verfügbare Bestand auf die einzelnenVerwendungsarten verteilt; die genannten Faktoren äufsern sich imPreise, den die Nachfrage für die eine oder andere Verwendungsartzu zahlen bereit ist; alles Edelmetall, das von dem industriellen Be-darf nicht zu einem Preise aufgenommen wird, der seinem Ausmünzungs-werte abzüglich der Ausmiinzungskosten entspricht, fliefst naturge-mäfs den Münzstätten zu.

Ebenso wie der Geldbedarf der einzelnen Volkswirtschaften voneiner Reihe verschiedenartiger Faktoren abhängt, so auch das Ver-hältnis der Verwendung der Edelmetalle zu monetären und zu ge-wöhnlichen Gebrauchszwecken. Namentlich der Reichtum eines Volkesund seine gleichmäfsige oder ungleichmäfsige Verteilung ist für denUmfang, in welchem Edelmetall zur Herstellung von Schmucksachenund Geräten verwendet und in Form von Schmucksachen und Ge-räten aufbewahrt wird, von sehr erheblicher Bedeutung, und zwarteilweise nach andern Eichtungen als für die monetäre Verwendungder Edelmetalle. Wohl hat ein gröfserer nationaler Wohlstand, wieoben auseinander gesetzt wurde, an und für sich infolge der gröfserenUmsätze die Wirkung, den Geldbedarf der Volkswirtschaft zu steigernund eine reichlichere Deckung des Geldbedarfs zu ermöglichen; gleich-zeitig hat er eine vermehrte Nachfrage nach Edelmetall zu Luxus-zwecken zur Folge. In ihrer Richtung ist mithin die Wirkung desgröfseren Wohlstandes für beide Verwendungsarten der Edelmetalledie gleiche. In ihrer Stärke jedoch ist diese Wirkung mindestens voneinem gewissen Punkte an eine verschiedene; schon deshalb, weil alleden Geldbedarf einschränkenden Zahlungseinrichtungen und Kredit-umlaufsmittel einen gewissen Wohlstand zur Voraussetzung haben undsich bei den wohlhabendsten Völkern am vollkommensten entwickelnkönnen, während die Nachfrage nach Luxusgütern sich bei zunehmen-dem Wohlstande, ohne solche Gegenwirkungen zu erfahren, auszu-dehnen vermag; weil ferner auch hier die ganz allgemeine Wahr-nehmung gilt, dafs unter sonst gleichen Umständen, je gröfser derWohlstand eines Volkes ist, ein um so gröfserer Teil des gesamtenNationalvermögens auf die Befriedigung von weniger dringenden Be-