11. Kapitel. Die Geldversorgung'. § 4.
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war mithin ein teilweise im Wege des Kreditverkehrs, teilweise imWege der Bezahlung von Einfuhrgütern sich vollziehender Rückflufsvon Geld nach dem Auslande. Dieser Rückflufs hat sich von der Mittedes Jahres 1874 an unter einer erheblichen Steigerung der auswärtigenWechselkurse vollzogen und hat im grofsen Ganzen bis in das Jahr 1879angedauert; zeitweise wurde er durch die aus der Durchführung derdeutschen Geldreform hervorgehenden Einschränkungen der deutschenGeldcirkulation unterbrochen, so namentlich in der zweiten Hälfte desJahres 1875 durch die Zurückziehung grofser Beträge von papiernenUmlaufsmitteln, die durch das Inkrafttreten der neuen Ordnung desNotenbankwesens erforderlich gemacht wurde; in den folgenden Jahrenhat die Einziehung der Silbermünzen zeitweise den Umfang des deut-schen Geldumlaufs nicht unerheblich eingeschränkt, und sie hat auchin ihrem Endresultat eine gewisse Verminderung des deutschen Geld-umlaufs herbeigeführt, da bei dem Rückgang des Silberpreises für dieeingeschmolzenen Silbermünzen nur ein hinter dem ursprünglichenNennwerte derselben zurückbleibender Betrag von Goldmünzen be-schafft werden konnte.
Im ganzen hat der deutsche Metallgeldbestand, der von 1985 Mill.Mark um die Mitte des Jahres 1871 auf 2 810 Mill. Mark um die Mittedes Jahres 1873 zugenommen hatte, in den folgenden Jahren eine fastununterbrochene Abnahme bis auf 2 420 Mill. Mark um die Mitte desJahres 1879 erfahren. Von den 825 Mill. Mark, um die der deutscheMetallgeldvorrat in den ersten zwei Jahren der Münzreform infolgeder Milliardenzahlung zugenommen hatte, ist mithin im Jahre 1879nur noch eine Zunahme von 435 Mill. Mark übrig gewesen, eine Zu-nahme, die, auf die 8 Jahre von 1871 bis 1879 verteilt, nichts Unge-wöhnliches mehr hat.
An diesem in seiner Art bedeutsamsten Beispiel sehen wir deut-lich, in welchem Umfange und auf welche Weise der Geldbedarf dereinzelnen Volkswirtschaften auf die internationalen Bewegungen derGeldmetalle seinen Einflufs ausübt.
§ 4. Die industrielle Verwendung der Edelmetalle.
Von der Gesamtmenge des einer Volkswirtschaft zur Verfügungstehenden und ihr aus der jeweiligen Produktion neu zufliefsenden Geld-metalls findet nur der eine Teil wirklich zu Geldzwecken Verwendung,sei es dafs er als gemünztes Geld in den Verkehr kommt, oder dafser in Form von Münzen oder Barren zur Deckung papierner Umlaufs-mittel und als Grundlage besonderer Zahlungseinrichtungen dient; derandere Teil wird, wie alle andern Waren, gewöhnlichen Gebrauchs-zwecken zugeführt; er dient als Rohstoff zu Geräten und Schmuck-