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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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465
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11. Kapitel. Die Geldversorgung'. § 5.

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Jahresverbrauch von Gold in der Industrie u. s. w. 1 U bis '/s der jähr-lichen Neuproduktion betragen, und 2 /3 bis 3 ji der Neuproduktion würdenfür monetäre ZAvecke verfügbar bleiben. Zweifellos hat sich mit derallgemeinen Hebung des Wohlstandes in den Ländern der europäischenKultur auch der industrielle Goldverbrauch in den letzten Jahrzehntennicht unbeträchtlich gesteigert. Man darf jedoch annehmen, dafs dieSteigerung hinter der gleichzeitigen Zunahme der Goldproduktion be-trächtlich zurückgeblieben ist. Als Soetbeee für die Mitte der 80 erJahre den jährlichen Goldverbrauch in der Industrie auf 250 Mill. Markschätzte, berechnete er die gleichzeitige Goldgewinnung nur auf etwa435 Mill. Mark. Wenn man mit Lexis die SoETBEEssche Schät-zung des industriellen Verbrauchs für zu hoch hält, und wenn man sieum etwa ein Viertel reduziert, so würde auch dann noch der damaligeindustrielle Goldverbrauch dem monetären Goldverbrauch nahezu gleich-gekommen sein.

Für Deutschland speciell hat die Enquete von 1896 und 1897 einenjährlichen industriellen Goldverbrauch von etwa 16000 kg im Wertevon 45 Mill. Mark nachgewiesen. Darunter befanden sich etwa 5300 kgim Werte von 15 Mill. Mark, die von den Scheideanstalten aus in-ländischem Altmaterial gewonnen worden waren, d. h. aus alten Schmuck-sachen und Geräten, sowie aus Abfällen, die sich bei der Herstellungvon Goldwaren ergeben hatten. Abzüglich dieser Goldmenge würdesich für Deutschland ein jährlicher Netto verbrauch von etwa 10 700 kgim Werte von 30 Mill. Mark ergeben, und diese Ziffern hat auch deramerikanische Münzdirektor in seine Nach Weisung aufgenommen. Vondiesem Netto verbrauch kamen 7100 kg im Werte von 20 Mill. Markauf' deutsche Goldmünzen, 1800 kg im Werte von 5 Mill. Mark auffremde Goldmünzen und ebensoviel auf Goldbarren, die den Industri-ellen von den deutschen Scheideanstalten, zu einem geringen Teil auchvon der Keiclisbank geliefert worden sind.

Die Schätzungen des industriellen Silberverbrauchs haben seit derVerdrängung des Silbers aus seiner Eolle als Währungsmetall erheblichan Bedeutung verloren. Die industrielle Verwendung von Silber istseit der Einstellung der freien Silberprägung in den sämtlichen Ländernunsrer Kultur kein Moment mehr, das für die Geldversorgung irgend-welche Bedeutung hätte. Gerade wegen der Beschränkung der mone-tären Silberverwendung namentlich vom Jahre 1893 an 1 ) und wegender Steigerung der Silberproduktion während der letzten Jahrzehntemufste der Verbrauch von Silber in den Ländern europäischer Kultureine erhebliche Zunahme erfahren. In den Vereinigten Staaten , derenErhebungen am zuverlässigsten sind, wurde der industrielle Silber-

1) Vergl. die Ausführungen oben auf S. 188 ff.

Helfperich, Das Geld.

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