466 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geld Versorgung- und Geldwert.
verbrauch im Jahre 1883 auf einen Münzwert von 5,6 Mill. Dollarveranschlagt, im Jahre 1900 auf einen Münzwert von 14,8 Mill. Dollar.Immerhin bleibt der von dem amerikanischen Münzdirektor für dasJahr 1900 veranschlagte Weltverbrauch von Silber zu industriellenZwecken mit 1 277 000 kg, wenn diese Zahl auch mehr als doppelt sohoch ist wie die von Soetbeer für die Mitte der 80 er Jahre berech-neten 515 000 kg, so erheblich hinter der gleichzeitigen Produktion imBetrage von mehr als 5V2 Millionen kg zurück, dafs starke Zweifel ander auch nur annähernden Eichtigkeit der aufgestellten Schätzungensich nicht unterdrücken lassen. Schlägt man zu der industriellen Silber-verwendung in den Kulturländern noch die ganze indische Mehreinfuhran Silber im Betrag von etwa 1250000 kg (1900/01) hinzu, so bleibenimmer noch nahezu 3 Millionen kg Silber, mehr als die Hälfte der Jahres-produktion, für die ein hinreichender Verwendungsnachweis fehlt.
§ 6. Der endgültige Verbrauch an Edelmetall.
Durch die Ausprägung in Münzen oder die "Verwendung zuSchmucksachen u. s. w. werden die Edelmetalle noch keineswegs end-gültig konsumiert. Sie häufen sich vielmehr in diesen verschiedenenFormen zu grofsen Beständen auf, die durch Einschmelzung wiederin Barren verwandelt und stets aus einer in eine andere Form, voneinem zu einem andern Verwendungszweck übergeführt werden können.Von Interesse für die Beurteilung der Geldversorgung der Kulturweltist aber nicht nur die Frage, wieviel von dem jährlich neu verfüg-baren Goldquantum der industriellen und der monetären Verwendungzugeführt wird, sondern auch die weitere Frage, wieviel Edelmetallin beiden Verwendungszweigen endgültig konsumiert wird.
Der endgültige Verbrauch an Edelmetall entsteht durch die Ab-nutzung sowohl der umlaufenden Münzen als auch der Schmucksachenund Geräte, ferner durch die Verwendung von Edelmetall zu Zwecken,welche eine Wiederdarstellung des Edelmetalls unmöglich machen;dazu kommen die unvermeidlichen Abgänge bei der Einschmelzungund Umarbeitung und schliefslich die Verluste, welche durch Ver-schleuderung, Vergraben, Schiffsunfälle u. s. w. entstehen.
Es ist gänzlich unmöglich, diesen endgültigen Konsum an Gold undSilber mit einiger Zuverlässigkeit zahlenmäfsig zu erfassen. EinigeAnhaltspunkte liegen immerhin noch vor hinsichtlich der Abnutzungvon Münzen. So hat man in England bei der vor einigen Jahrendurchgeführten Einziehung und Einschmelzung der vor dem Kegierungs-antritt der Königin Viktoria geprägten Goldmünzen im Durchschnittbei den Sovereigns einen jährlichen Gewichtsverlust von 0,3 Tausend-teilen, bei den halben Sovereigns von 0,8 Tausendteilen festgestellt.