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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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11. Kapitel. Die Geldversorgung'. § 6.

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Die durchschnittliche jährliche Abnutzung der 20 Franken stückehat man in Frankreich und der Schweiz auf 0,2 Tausendteile be-rechnet. Nach Soetbeeb haben genaue Wägungen gröfserer Partienvon deutschen Doppelkronen nach mehrjährigem Umlauf sogar nureine durchschnittliche jährliche Abnutzung von 1/7 Tausendteil er-geben. Kleinere Münzen unterliegen der Abnutzung in stärkeremMafse als gröfsere, da die der Reibung ausgesetzte Oberfläche imVerhältnis zum Metallgehalt bei den kleinen Münzen gröfser ist.Ebenso darf angenommen werden, dafs die Abnutzung anfänglich ge-ringer ist, als in einem späteren Stadium, da bei den neuen Stückeninfolge der erhabenen Randleisten nur ein geringerer Teil der Miinz-oberfläche der Reibung ausgesetzt ist. In Anbetracht dieser Erwä-gungen wird man den jährlichen Goldverlust durch Münzabnutzung aufetwa 0,4 Tausendteile des gesamten monetären Goldbestandes schätzenkönnen, also gegenwärtig bei einem Weltgoldbestande, der auf 20 bis22 Milliarden Mark veranschlagt wird, auf etwa 8 bis 9 MillionenMark = rund 3000 kg Gold.

Der Abnutzungsverlust, der an Silbermünzen entsteht, ist ver-liältnismäfsig stärker, schon deshalb, weil die kleinere Werte dar-stellenden Silbermünzen in beträchtlich rascherem Wechsel von Handzu Hand gehen als die Goldmünzen. Bei den grofsen Silberstücken darfman auf Grund zahlreicher Feststellungen eine durchschnittliche jähr-liche Abnutzung von 0,2 bis 0,3 Tausendteilen annehmen. Die Beobach-tungen über die Abnutzung der silbernen Fünffrankenstücke ergeben un-gefähr diese Zahl. Die Einschmelzung von Thalern während der deut-schen Münzreform zeigte eine durchschnittliche jährliche Abnutzung von0,25 Tausendteilen bei den Stücken aus den Jahren 18171822, von0,21 Tausendteilen bei den Stücken von 18231856 und von 0,22 Tau-sendteilen bei den Stücken von 18571871. Dagegen hat sich bei denDrittelthalerstücken eine jährliche Abnutzung von etwa 1,3 Tausend-teilen pro Jahr herausgestellt; bei den kleineren Silbermünzen ergabsich ein noch beträchtlich stärkerer Gewichtsverlust. Beim franzö-sischen Einfrankenstück soll eine durchschnittliche jährliche Abnutzungvon 1,6 Tausendteilen festgestellt sein.

Zuverlässige Anhaltspunkte für die Beurteilung der Abnutzung,welcher die Metalle Gold und Silber in der Form von Geräten undSchmucksachen unterliegen, sind nicht vorhanden.

Die Verluste an Edelmetall, die durch Verschleuderung, Schiffs-unfälle u. s. w. entstehen, sind im Verhältnis zu dem gesamten Edel-metallvorrat und auch zum Betrage der jährlichen Neuproduktion vonGold und Silber offenbar ganz unerheblich. Das Gleiche gilt von denSchmelzverl usten. Infolge der verbesserten Technik sind diese frühernicht unbedeutenden Abgänge so erheblich eingeschränkt worden, dafs

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