468 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
beispielsweise der Schmelz- und Prägeverlust der Münzstätte der Ver-einigten Staaten nur noch etwa 0,1 Promille beträgt.
Dagegen wird ein beträchtliches Quantum beider Metalle zuZwecken verwendet, die eine Wiedergewinnung des Metalls der Regelnach unmöglich machen. Das ist der Fall bei der Herstellung vonBlattgold und Doublewaren, bei der galvanischen Vergoldung undVersilberung, bei der Herstellung von chemischen Präparaten zurVerwendung in der Photographie u. s. w. In Amerika werden un-gefähr 772 Prozent des gesamten industriellen Goldverbrauchs alleinzur Blattgoldfabrikation verbraucht, von dem industriellen Silberver-brauch kommen ungefähr 9 Prozent auf die Herstellung von Chemi-kalien für photographische Zwecke. Nach der deutschen Enquete von1896 und 1897 kommt von dem industriellem Goldverbrauch Deutsch-lands ein Quantum von etwa 4800 kg im Werte von 13,5 MillionenMark auf sogenanntes Verlustgold; das sind etwa 30 Prozent des ge-samten industriellen Goldverbrauchs.
Lexis schätzt den endgültigen Goldkonsum der Kulturwelt pro Jahr
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auf etwa 50 Millionen Mark = —- des gesamten aus Münzen, Schmuck-sachen u. s. w. bestehenden Goldbestandes; den endgültigen Verbrauch
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von Silber schätzt er auf etwa — — des gesamten Silberbestandes.
§ 7. Die Versorgung des Geldumlaufs durch papierne Umlaufsmittel.
Die Versorgung des Geldbedarfs durch die Ausgabe papiernerUmlaufsmittel erfordert eine besondere Betrachtung. Die Ausgabevon Papiergeld jeder Art ist in viel höherem Mafse in das Beliebender Staatsgewalt gestellt, als die von der Edelmetallproduktion undden Edelmetallbewegungen abhängige Schaffung metallischer Umlaufs-mittel. Von vornherein scheint mithin auf diesem Felde die Möglich-keit einer planmäfsigen Anpassung der Geldversorgung an den Geld-bedarf gegeben.
Wir haben jedoch in Bezug auf die Geldversorgung folgendeArten der Ausgabe papierner Geldzeichen zu unterscheiden:
1. Papierscheine, die gegen Hinterlegung des vollen Wertes ingeprägtem oder ungeprägtem Geldmetall ausgegeben werden; man nenntsolche Scheine „Certifikate" . Sie fügen dem gesamten Geldumlaufeines Landes nichts hinzu, sondern geben dem Verkehr lediglich einbequemeres an Stelle eines unbequemeren Umlaufsmittel. So habenz. B. die Vereinigten Staaten zur Ausgabe von Certifikaten gegriffen,als sich die Unmöglichkeit herausstellte, die grofsen Mengen des unterden Silbergesetzen von 1878 und 1890 angekauften Silbers in gemünzterForm in Umlauf zu bringen.