Druckschrift 
Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
475
Einzelbild herunterladen
 

12. Kapitel. Der Geldwert. § 1.

475

freilich oft verdeckten und an Ausnahmen reichen Zusammenhangezwischen wachsendem Geldvorrat und steigenden Preisen, wachsendemGütervorrat und sinkenden Preisen zeige.Wir bilden danach, allenähere Bestimmung vorbehalten, die Begriffe eines Gesamtwarenvor-rates und eines Gesamtgeldvorrates und eines Abhängigkeitsverhält-nisses zwischen ihnen. Jede einzelne Ware ist nun ein bestimmterTeil jenes verfügbareil Gesamtwarenquantums; nennen wir das letztere\

a, so ist jene etwa a; der Preis, den sie bedingt, ist der ent-sprechende Teil jenes Gesamtgeldquantums, so dafs es, wenn wir dieses\

b nennen, gleich b ist. Kennten wir also die Gröfsen a und b.m

und wiifsten wir, einen wie grofsen Teil der verkäuflichen Werteüberhaupt ein bestimmter Gegenstand ausmacht, so wüfsten wir auchseinen Geldpreis und umgekehrt. Ganz unabhängig davon also, ob dasGeld und jenes wertvolle Objekt irgend eine qualitative Gleichheithaben, gleichgültig also dagegen, ob das erstere selbst einWert ist oder nicht, kann die bestimmte Geldsumme den Wert desGegenstandes bestimmen oder messen."

Es braucht dieser Vorstellung nicht in den Einzelheiten ihrerGrundlagen und Konsequenzen nachgegangen zu werden. Der funda-mentale Fehler der ganzen Konstruktion, den Simmel selbst offenbargefühlt hat, ist aus dem bisher Gesagten bereits mit hinreichenderKlarheit ersichtlich zu machen; er liegt darin, dafs die vorausgesetzteallgemeine Beziehung zwischen Gesamtgeldvorrat und Gesamtgüter-vorrat, soweit man eine solche Beziehung überhaupt zugeben will, nichtanders, denn als Wertgleichheit denkbar ist. Simmel behauptet zwar,seine Konstruktion enthalte keineswegs den Zirkel, dafs die Fähigkeiteiner bestimmten Geldsumme, den Wert einer einzelnen Ware zu messen,auf das Gleichungsverhältnis alles Geldes mit allen Waren gegründetwerde, dieses selbst aber schon die Mefsbarkeit des einen an dem andernvoraussetze; denn eine Messung relativer Quanten sei eben schondaraufhin möglich, dafs ihre absoluten Quanten in irgend einem Ver-hältnis stehen, welches nicht Messung oder Gleichheit zu sein braucht.Welches Verhältnis aufser dem der Wertgleichheit zwischen den Ge-samtquanten von Waren und Geld gedacht werden kann, darauf bleibtSimmel die Antwort schuldig. Wenn wir die Zeit an einem räumlichenVerhältnis vermittelst eines Bewegungsvorganges messen, so ist dieBeziehung zwischen dem räumlichen Mafsstab und der zu messen-den Zeit darin gegeben, dafs jede Bewegung ihrem Wesen nachden beiden Kategorien Zeit und Raum gleichmäfsig angehört. Wennwir bewufste Empfindungen an äufseren Bewegungsvorgängen messen,so liegt hier ein seinem inneren Wesen nach freilich nicht aufgeklärtes,