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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
474
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474 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung- und Geldwert.

Werkes, das den Zeiger bewegt, bedient; so messen wir die Wärmean der verschiedenen räumlichen Erstreckung einer der Einwirkungder verschiedenen Wärmequanten ausgesetzten Quecksilbersäule, dasGewichtsverhältnis zweier Körper an der räumlichen Bewegung derWagschalen; so können wir ferner nach den SiMMEL 'schen Beispielendie verschiedene Stärke des Windes an der Dicke der Zweige messen,die er zu brechen vermag, und die verschiedene Stärke der bewufstenEmpfindungen an Änderungen äufserer Bewegungen.

Knxes hat nun offenbar insoweit Becht, als das gewollte End-ergebnis des Messungsvorgangs in allen Fällen, bei der unmittelbarenund bei der mittelbaren Vergleichung, das ist, dafs die bisher unbe-kannte Quantität einer Gegebenheit irgend welcher Art ausgedrücktwird in einem bekannten oder als bekannt angenommenen Quantumeiner artgleichen Gegebenheit. Ebenso wie nach dem von Kniesgegebenen Beispiel ein Zeitquantum bei der Messung durch die Uhrausgedrückt wird in der Zeiteinheit, während welcher der Uhrzeigereinen bestimmten Weg auf dem Ziffernblatt zurücklegt, ebenso wirdin den SiMMEL 'schen Beispielen die Stärke des Windes bei der Messungdurch die Dicke der Zweige im Endergebnis ausgedrückt in dem be-stimmten Energiequantum, das zum Knicken eines Zweiges von ge-gebener Dicke erforderlich ist, und die Stärke der bewufsten Empfin-dungen bei der Messung durch Bewegungsvorgänge durch eine andereEmpfindungsstärke, die einen bestimmten Bewegungsvorgang zur Vor-aussetzung hat oder auslöst. Aber mit dieser Konstatierung, dafs dasEndergebnis und der Sinn der Messung nur die Ermittelung einesquantitativen Verhältnisses zwischen artgleichen Gröfsen sein kann,ist Simmels Einwand noch nicht zurückgewiesen: dasMeiswerkzeug"oderMefsmittel", von dem Knies spricht, mufs nur bei der Messungdurch unmittelbare Vergleichung die Qualität selbst besitzen, die esmessen soll: ein Meterstab mufs Länge haben, ein Hohlmafs Raum-inhalt; aber die Vorgänge im Baum und die räumlichen Gröfsenverhält-nisse, vermittelst welcher wir Zeit-Räume", wie wir bezeichnenderWeise sagen, Wärmequanten, Energiequanten, Empfindungsstärkenu. s. w. messen, sind mit den zu messenden Gröfsen nicht artgleich.

Die Anwendung dieser Ergebnisse auf das Geld läfst nun aller-dings die Frage offen, ob das Geld als Wertmesser im Wege der un-mittelbaren Vergleichung funktioniert und infolgedessen notwendigerWeise selbst Wertqualität haben mufs, oder ob es lediglich als mittel-bares Mefsinstrument zur Vergleichung des Wertes der Waren dientund infolgedessen an und für sich die Wertqualität entbehren könnte.

Simmel erläutert die letztere Möglichkeit folgendermafsen.

Er nimmt ein ganz allgemeines Verhältnis zwischen Güterquantumund Geldquantum als gegeben an, ein Verhältnis, wie es sich in dem