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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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12. Kapitel. Der Geldwert. § 1.

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zelnen sei wohl daran zu messen, dafs der eine einen Zweig zerbrochenhabe, den der andere noch nicht habe verletzen können. Ganz ent-scheidend erscheint Simmel das folgende Beispiel:

Die ungleichartigsten Objekte, die wir überhaupt kennen diePole des Weltbildes, die aufeinander zu reduzieren weder der Meta-physik noch der Naturwissenschaft gelungen ist, sind materielleBewegungen und Bewufstseinserscheinungen. Die reine Extensität dereinen, die reine Intensität der andern haben bisher keinen Punkt ent-decken lassen, der allgemein überzeugend als ihre Einheit gelte.Dennoch kann der Psychophysiker nach den Änderungen der äufserenBewegungen, die als Reize unsere Sinnesapparate treffen, die relativenStärkeänderungen der bewufsten Empfindungen messen."

Indem also zwischen den Quanten des einen und denen des anderenFaktors ein konstantes Verhältnis bestehe, bestimmten dieGröfsen des einen die relativen Gröfsen des andern, ohne dafs irgendeine qualitative Beziehung oder Gleichheit zwischen ihnen zu bestehenbrauche. Damit sei das logische Prinzip durchbrochen, das die Fähig-keit des Geldes, Werte zu messen, von der Thatsache seines eigenenWertes abhängig zu machen scheine.

Ehe wir die Konsequenzen dieses Einwandes für die Frage desGeldwertes weiter verfolgen, wollen wir uns über die Berechtigungdes Einwandes klar zu werden suchen.

Wir haben in der Tliat zwischen zwei verschiedenen Arten derMessung zu unterscheiden. Bei der ersten wird das zu messendeObjekt unmittelbar mit dem messenden Objekt verglichen, und hierist Artgleichheit zwischen beiden Objekten unbedingt erforderlich. Diezweite Art ist komplizierter: es giebt Gröfsen, deren unmittelbareMessung mit gleichen Gröfsen nicht möglich ist, weil sie nicht un-mittelbar neben einander gestellt und unmittelbar verglichen werdenkönnen. Das gilt von allen abstrakten Gröfsen, von der Stärke desWindes und der Stärke der bewufsten Empfindungen ebenso, wie etwaVon der Wärme und von der Zeit; unmittelbarer Vergleichung zu-gänglich sind eigentlich nur die Gröfsen der körperlichen Ausdehnung.Infolgedessen sind wir genötigt, bei den meisten Messungen, d. h. Fest-stellungen des quantitativen Verhältnisses zweier qualitativ gleichenSubstanzen oder Faktoren uns eines Zwischengliedes zu bedienen, in-dem wir zwischen den beiden zu vergleichenden, aber nicht unmittel-bar an einander mefsbaren Gröfsen einerseits und unmittelbar mit ein-ander vergleichbaren räumlichen Gröfsen und Vorgängen andrerseitseine konstante Beziehung feststellen. So messen wir die Zeit an Be-wegungsvorgängen im Räume, und zwar in allen Methoden, ob man dieVeränderungen des Standes der Sonne unmittelbar beobachtet,ob man sich einer Sonnenuhr, einer Sanduhr oder eines Uhr-