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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
472
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472 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

könne wohl sein, dafs die wörtliche Form irgend einer Aussage be-züglich eines GröfsenVerhältnisses im "Widerspruch mit jenem Satzestehe, aber stets werde eine kurze Überlegung zur Auflösung desscheinbaren Widerspruchs genügen; so z. B. wenn man eine räumlicheEntfernung nach einer Zeitlänge, z. B. nachStunden" oderMarsch-tagen" angebe, oder wenn man umgekehrt die Zeit nach dem Raummesse, den der Uhrzeiger durchläuft; nach dem wahren Sachverhaltsei nichts anderes gemessen worden, als im ersten Falle eine Längen-erstreckung durch ein Längenmafs von Schritten, von denen eine be-stimmte Anzahl während einer Stunde oder eines Tages nach einanderzu zählen waren, im zweiten Falle eine Zeitdauer durch eine Zeitlängevon Minuten oder Stunden, während deren Verlauf sich der Uhrzeigervon einem Striche des Zifferblattes zu einem andern bewegt.Es stehtdeshalb ebenso unumstöfslich fest, dafs, wenn und soweit überhauptdas besondere Quantum wirtschaftlichen Wertes, welches diekonkreten Güter umschliefsen, geschätzt und bemessen werden kannund soll, dies nur mittels eines Gegenstandes möglich ist, der selbstwirtschaftlichen Wert hat, selbst ein wirtschaftliches Gut ist."

Diese anscheinend durchschlagende Argumentation ist neuerdingsin geistreicher Weise kritisiert worden. In seinerPhilosophie desGeldes" führt Simmel folgendes aus. 1 )

Es sei allerdings richtig, dafs man die Quanten zweier verschiedenerObjekte nur vergleichen könne, wenn sie von einer und derselbenQualität seien: wo also das Messen nur durch unmittelbare Gleichungzwischen zwei Quanten geschehen könne, da setze es in der TliatQualitätsgleichheit voraus. Aber neben dieser unmittelbaren Ver-gleichung sei noch eine zweite Art des Messens möglich. Wo eineÄnderung, eine Differenz oder das Verhältnis je zweier Quanten ge-messen werden solle, da genüge es, dafs die Proportionen dermessenden Substanzen sich in denen der gemessenen spiegelten, umdiese völlig zu bestimmen, ohne dafs zwischen den Substanzen selbstirgend eine Wesensgleichheit zu bestehen brauche.

Simmel erläutert seine Auffassung durch den Hinweis darauf, dafsman zwar die Kraft des Windes, der einen Baumzweig bricht, mit derHand, die dasselbe thut, nur insofern vergleichen könne, als diese Kraftin beiden qualitativ gleich vorhanden sei. Aber man könne die Kraftdes Windes auch an der Dicke des Zweiges messen, den er geknickthat. Zwar drücke der geknickte Zweig nicht an und für sich schondas Energiequantum des Windes in demselben Sinne aus, wie derKraftaufwand der Hand es ausdrücken möge; allein das Stärkeverhält-nis zwischen zwei Windstöfsen und damit die relative Stärke des ein-

1) S. 69 ff.