12. Kapitel. Der Geldwert. § 1.
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Reaktion auf die merkantilistischen Vorstellungen, nach denen dasGeld in ganz besonderem Grade die Verkörperung von Wert undReichtum darstellte, mit Nachdruck vertreten worden. Schon Lockehat die Ansicht geäufsert, dafs die Menschheit dahin übereingekommensei, dem Gold und Silber einen imaginären Wert („imaginary value")beizulegen; es sei auf Grund eines allgemeinen Übereinkommens einallgemeines Unterpfand („common pledge"), gegen welches die wirt-schaftenden Individuen mit Sicherheit Dinge im gleichen Werte, wiedie von ihnen gegen das Geld weggegebenen, erhalten könnten. DavidHume hat das Geld als eine blofse „representation of labour and com-modities" dargestellt, als ein Zeichen, das nur zur Messung und Ab-schätzung des Wertes von Arbeit und Gütern diene. Ähnlich habensich Montesquieu und eine Anzahl neuerer Schriftsteller (wie Oppen-heim, Macleod u. s. w .) geäufsert.
Die entgegengesetzte Auffassung ist hauptsächlich von den Physio-kraten ( Tdrgot ) , den klassischen englischen Nationalökonomen undderen Nachfolgern in Frankreich und Deutschland , ferner von KahlMarx in seinem „Kapital - ' vertreten worden. Roscher hat sie ineinem oft citierten Satz daliin zugespitzt: „Die falschen Definitionendes Geldes lassen sich in zwei Hauptgruppen teilen; solche, die es fürmehr, und solche, die es für weniger halten als eine Ware".
Ganz neuerdings haben die Erscheinungen der modernen Papier-währung und der Währung mit gesperrter Prägung den Streit um dieWertqualität des Geldes aufs neue angefacht.
Entsprechend der starken Betonung, welche von den meisten Theo-retikern bisher die Funktion des Geldes als Wertmafs erfahren hat,ist die Frage, ob das Geld einen eignen Wert haben müsse, vorwiegendunter dem Gesichtspunkte behandelt worden, ob die Wertmafsfunktionfür das Geld die Notwendigkeit eines eignen Wertes involviere odernicht. So schreibt Knies 1 ):
„Es ist eine naturgesetzliche Notwendigkeit, dafs man zur Messung,d. h. zur Feststellung des quantitativen Verhältnisses in irgend einemquantitativ bestimmbaren Objekte nur einen solchen Gegenstand alsMefswerkzeug, als Mefsmittel verwenden kann, welcher selbst dasjenige,was gemessen werden soll, in einem speciellen Quantum besitzt; eswird dann das in betreif des zu messenden Objektes unbekannte Quan-tum durch Verwendung des bekannten Quantums in dem artgleichenMefswerkzeug ermittelt". Eine Längenerstreckuug lasse sich nur durchein Mefsmittel bestimmen, welches selbst Länge hat, wie der Fufs,der Schritt, der Meterstab u. s. w.; eine Flächenausdehnung nur durch■eine Fläche, wie den Quadratfufs oder das Quadratmeter u. s. w. Es
1) A. a. 0. S. 147.