470 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung' und Geldwert.
Papierumlauf ist das selbständige Papiergeld an und für sich ohnejede Beschränkung regulierbar. Dabei spielt es keine Rolle, ob derStaat das Papiergeld selbst ausgiebt, oder ob er dessen Emission einerBank, die von der Einlösungspflicht befreit ist, iiberläfst. Theoretischwürde die Möglichkeit bestehen, ein reines Papiergeld in seiner Aus-gabe vollkommen den Schwankungen des Geldbedarfs der Volkswirt-schaft anzupassen und dadurch manche Störungen zu vermeiden, diebei den metallischen Währungen aus Verschiebungen des Gleichgewichtszwischen Geldbedarf und Geldversorgung hervorgehen können. Prak-tisch dagegen ist bisher in den Papierwährungsländern, soweit mannicht — wie in Rufsland und Österreich-Ungarn in den 90 er Jahrendes vorigen Jahrhunderts — durch Regulierung des Kurses des eignenGeldes in ausländischen Goldvaluten eine künstliche Anlehnung an einemetallische Basis suchte und damit im Prinzip die bei einer metalli-schen Währung notwendige Beschränkung der Papiergeldausgabeauf sich nahm, der Umfang der Papiergeldausgabe meist von ganzandern Faktoren bestimmt worden, als von der Rücksicht auf denGeldbedarf der Volkswirtschaft. Für die Entstehung der Papierwährungselbst ist der regelmäfsige Grund nicht ein durch Metallgeld nichtzu befriedigender Geldbedarf der Volkswirtschaft, sondern ein durchungewöhnliche Verhältnisse oder finanzielle Mifswirtschaft hervor-gerufener Bedarf der Staatskasse.
12. Kapitel. Der Geldwert.
§ 1. Die Wesentlichkeit der Werteigenschaft für das Geld.
In der Vorbemerkung zu diesem Abschnitte wurde ausgeführt, dafsdie Betrachtung des Geldbedarfs und der Geldversorgung der Volks-wirtschaften von selbst hinüberleitet zu einer Betrachtung des Geld-wertes, der ja wohl, wie der Wert aller übrigen Güter, durch die Ge-staltung der Gröfse des Bedarfs und seiner Versorgung, durch Nachfrageund Angebot beeinflufst werde. Aber indem wir nunmehr dieses neueGebiet betreten, sehen wir uns unvermittelt vor einer Frage, die unsden Weg sperrt, vor einer Frage, die ungefähr ebenso alt ist wie dasernsthafte Nachdenken über das Wesen des Geldes selbst; sie lautet:Mufs das Geld aus seiner Natur heraus einen „Wert" haben? Ist eshinsichtlich der Wertqualität allen übrigen wirtschaftlichen Güterngleichgestellt? Ist es selbst ein wirtschaftliches Gut, eine „Ware "? —Oder kann das Geld als solches der Werteigenschaft entbehren? Stehtes den wirtschaftlichen Gütern als ein blofses Zeichen und Symbolgegenüber ?
Die Anschauung, dafs das Geld einen eigenen Wert nicht habeoder nicht notwendig haben müsse, ist namentlich in der Zeit der