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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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12. Kapitel. Der Geldwert. § 1.

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mufs dem Geld in erster Linie aus seiner Funktion als Tauschmittelund damit indirekt aus seiner durch die Tauschmittelfunktion be-dingten Wertmafsfunktion ebenso gut ein Tauschwert zugesprochenwerden, wie allen anderen Verkehrsobjekten, die unter sich oder gegenGeld ausgetauscht werden.

Gegen diese Folgerung ist nur der eine Einwand möglich, derbereits eingangs erwähnt wurde: dafs nämlich im Austausch in demGeld nicht ein Ding an sich gegeben werde, sondern nur eine An-weisung, eine Repräsentation oder ein Symbol für andere Dinge, dafsmithin bei einem Umsatz einer Ware gegen Geld eigentlich ein Um-satz einer Ware gegen eine andere für das gegebene Geld erhältlicheWare Platz greife, während das Geld selbst nur das wesenloseZwischenglied für diesen Umsatz sei.

Der Einwand findet in der Stellung, die das Geld in unserer Wirt-schaftsverfassung einnimmt, keinerlei Berechtigung. Wenn das Geldnicht ein Gut an sich, sondern nur ein Zeichen oder eine Anweisungfür wirkliche Güter wäre, so müfsten gegen das Geld bestimmteGüter in bestimmten Mengen von bestimmten Instanzen zu erhaltensein; denn eine Anweisung oder Stellvertretung oder Symbolisierungirgendwelcher Art ist nicht denkbar, ohne dafs das Angewiesene, Ver-tretene oder Symbolisierte feststeht. Es Wäre nun in der That reintheoretisch eine Verkehrsvermittelung denkbar, bei der die Stelle desGeldes als Umsatzmittel durch Anweisungen auf Waren vertretenwürde. Der oben besprochene Gedanke derTauschbank" ') beruhtauf diesem Prinzip. Aber dieses Prinzip wird ja gerade von seinenVertretern dem in unserer Wirtschaftsordnung verwirklichten Prinzipder Verkehrsvermittelung durch das Geld als etwas diametral ver-schiedenes entgegengestellt, und das mit Recht. In dem Gelde erhältder Einzelne ein Etwas, das ihm gegen niemanden einen zwingendenAnspruch auf eine andere Sache giebt und das, soweit es im Austauschgegen andere Dinge genommen wird, der freien Bewertung in diesenanderen Dingen unterliegt, genau ebenso wie jede Ware, die gegeneine andere umgesetzt wird. Dafs gegen Geld in unserer Wirtschafts-ordnung im allgemeinen alle veräufserlichen Dinge thatsächlich er-hältlich sind, ist gegenüber den Waren, die für den Absatz auf demMarkte hergestellt werden, nur ein Unterschied des Grades, nicht einUnterschied in der Art. Ebenso wie das Geld vorwiegend genommenwird, um andere Dinge damit zu beschaffen, ebenso werden die Warenin unserer Wirtschaftsordnung hergestellt, um zur Erwerbung dervon den Einzelwirtschaften eigentlich benötigten Dinge zu dienen.Wenn man die Anweisung des Inhaltes entkleidet, dafs sie einen be-

1) S. 268.