478 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
stimmten Anspruch an bestimmte Personen und auf bestimmte Sachengiebt, und ihr nur jden Inhalt läfst, dafs sie zur Beschaffung un-bestimmter Sachen in unbestimmten Quantitäten und von unbestimmtenPersonen dient, dann ist nicht nur das Geld, sondern jede Ware, dieauf den Markt gebracht wird, eine Anweisung; dann würde sieb aberdie Frage nach dem Tauschwert des Geldes sehr einfach dahin er-ledigen, dafs es überhaupt keinen Tauschwert gäbe, oder dafs auchdie Anweisungen in diesem Sinne, mithin auch das Geld, selbständigenTauschwert haben. Wenn man aber dem Sinn der Worte nicht Ge-walt anthun und die Grenzen der Begriffe nicht verwischen will,so wird man daran festhalten müssen, dafs eine Anweisung nur einennach den bezeichneten Richtungen hin bestimmten Inhalt habenkann, dafs eine Anweisung infolgedessen nicht in veränderlichenVerhältnissen gegen die angewiesenen Dinge umgesetzt werden kann,dafs vielmehr, wo eine veränderliche Bewertung bei einem Umsätzestattfindet, der selbständige Wertcharakter der umgesetzten Objekteeine unerläfsliche Voraussetzung ist. Das Geld als solches ist mithinnicht eine Anweisung auf irgendwelche Wertgegenstände, sondern esist selbst ein Wertgegenstand.
Das schliefst natürlich nicht aus, dafs innerhalb einer gegebenenGeldverfassung einzelne Geldsorten den Charakter von Anweisungenhaben können, wie etwa die Banknoten; aber solche Geld darstellendeAnweisungen sind stets Anweisungen auf andere Geldsorten, die einenselbständigen Wert besitzen.
§ 2. Substanzwert und Funktionswert des Geldes. 1 )
Die Feststellung, dafs das Geld seinem Wesen nach Wertqualität be-sitzen mufs, leitet uns auf die weitere Frage hin, welcher Art der Wertdes Geldes ist. Die hier zu entscheidende Frage, ob nur ein „an sichwertvoller Stoff" Geld sein oder ob das Geld als solches ohne die Grund-lage eines stofflichen Wertes gedacht werden könne, ist häufig genugmit dem im vorigen Paragraphen dieses Kapitels behandelten Problemder Erforderlichkeit der Wertqualität für das Geld zusammengeworfenworden, und dadurch ist ein gutes Stück Unklarheit in die Diskussionüber die beiden auseinander zu haltenden Fragen hineingetragen worden.Die Ansicht, dafs die Wertqualität eine integrierende Eigenschaft desGeldes ist, steht und fällt keineswegs mit der weitergehenden Auf-fassung, dafs das Geld die Wertqualität nur von einem „an sich wert-vollen Stoff" herleiten könne, oder — wie man es ausgedrückt hat —■dafs der Wert des Geldes ein Substanz wert sein müsse; ebenso
1) Yergl. zu diesem Paragraphen aufser Simmel , Philosophie des Geldes, II. Ka-pitel, auch Otto Heyn , Papierwährung mit Goldreserve für den Auslandsverkehr.1S94, sowie Irrtümer auf dem Gebiete des Geldwesens. 1900.