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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
488
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488 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgvmg und Geldwert.

achtung, dafs auch der Grad dei' Nützlichkeit des Geldes bestimmtist durch die Höhe seines Verkehrs wertes. Die Schätzung des Geldesin der Einzelwirtschaft richtet sich danach, was man für das Geld anGütern, die dem unmittelbaren Verbrauch oder Gebrauch dienensei es in Haushaltung oder Erwerbswirtschaft, bekommen kann,oder danach, was man zur Beschaffung des für fällige Zahlungen be-nötigten Geldes an andern Güter hingeben mufs. Der Grenznutzen desGeldes in einer gegebenen Einzelwirtschaft ist mithin der geringsteNutzen, der mit den Gütern, die durch das zur Verfügung stehendeGeld beschafft werden können oder für das benötigte Geld hingegebenwerden müssen, noch zu erzielen ist; und dieser Grenznutzen hat be-reits einen bestimmten Verkehrswert des Geldes zur Voraussetzung,so dafs der letztere nicht vom ersteren abgeleitet werden kann.

Wenn man die Gesamtheit einer Volkswirtschaft ins Auge fafst,so ergiebt sich die Unanwendbarkeit der Grenznutzen-Theorie für dasGeld aus folgender Erwägung: Der Begriff des Grenznutzens beruhtdarauf, dafs mit einer gegebenen Gütermenge nur ein bestimmter Be-darf befriedigt und damit nur eine bestimmte Reihe von Nutzwirkungenherbeigeführt werden kann; der geringste noch erzielbare Nutzensteht bei gegebenem Bedarf und Vorrat fest. Er bestimmt nach derGrenznutzen-Theorie den Wert des Gutes im Verhältnis zu den anderenGütern, die als Gegenwert angeboten werden, und zwar in der Weise,dafs derjenige Teil der Nachfrage, der durch -den gegebenen Vorratnicht befriedigt werden kann, dadurch ausgeschaltet wird, dafs ereinen dem Grenznutzen entsprechenden Gegenwert nicht zu bietenvermag. Die Voraussetzung, dafs mit einer gegebenen Gütermengean sich schon auch die mögliche Nutzwirkung gegeben ist, die dannihrerseits den Wert bestimmen könne, trifft nun zwar für alle anderenGüter zu, aber nicht für das Geld. Mit tausend Tonnen Getreidekann eine bestimmte Anzahl von Menschen bis zu einem bestimmtenGrade gesättigt werden, und zwar unabhängig vom Verkehrswert desGetreides. Dagegen befindet sich die Nutzwirkung einer gegebenenGeldmenge nicht nur für die Einzelwirtschaften, sondern auch inner-halb der gesamten Volkswirtschaft in unmittelbarer Abhängigkeit vondem Werte des Geldes. Je höher der Wert der Geldeinheit gegenüberden übrigen Gütern ist, desto gröfsere Gütermengen können durch dieVermittelung der gleichen Summe von Geldeinheiten umgesetzt werden.Allerdings richtet sich der Bedarf des Einzelnen zur Erfüllung eineraus früherer Zeit stammenden Zahlungsverpflichtung auf eine bestimmteGeldsumme, die als solche unabhängig ist von dem gegenwärtigenGeldwert; aber der Bedarf an Geld als Tauschmittel in der Gegen-wart und der Umfang der Zahlungsverpflichtungen, die jeweils aus demAnkauf von Waren auf Kredit u. s. w. entstehen, richtet sich ganz und