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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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12. Kapitel. Der Geldwert. § 3.

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gar nach dem Werte, den das Geld im Verhältnis zu den übrigen Güternhat. Schon David Hume hat den in seinem Kern unzweifelhaft richtigenSatz aufgestellt, dafs die Menge des Geldes an sich für die volkswirt-schaftliche Nutzwirkung des Geldes gleichgültig sei, dafs die Hälfte desin einer Volkswirtschaft vorhandenen Geldes bei doppeltem Wertegegenüber den übrigen Gütern die gleichen Dienste leisten werde,wie der ganze Geldvorrat. Während bei allen andern Gütern derWert aus der Beschränkung der bei einem gegebenen Vorrat mög-lichen Nutz Wirkungen resultiert und im allgemeinen um so höher ist,je höhere Grade von Nutzwirkungen durch die Beschränktheit desVorrates ausgeschlossen sind, die Nutzwirkungen des Vorrates selbstaber durch seinen Wert nicht erhöht werden, kann beim Gelde dieNutzwirkung eines gegebenen Vorrates durch Erhöhung des Wertesder Geldeinheit eine beliebige Ausdehnung erfahren.

Wir sehen mithin, dafs in der Einzelwirtschaft wie in der Volks-wirtschaft die Nutzwirkungen des Geldes im Gegensatz zu den-jenigen aller übrigen Güter nicht durch seine Menge beschränktsind, sondern durch Veränderungen seines Verkehrs wertes bedingtwerden, dafs mithin sein Verkehrswert selbst nicht aus der Begrenzt-heit seiner Nutz Wirkungen durch einen gegebenen Vorrat abgeleitetwerden kann. Wir müssen deshalb für das Geld noch mehr als für dieübrigen Güter darauf verzichten, die Höhe des Wertes unmittelbar ausden Faktoren, welche die Voraussetzung des Wertes bilden, darzustellen.

Wenn aber auch die Voraussetzungen des Wertes, die Brauch-barkeit zur Befriedigung eines Bedürfnisses und die Schwierigkeit derBeschaffung keine direkte Ableitung der Höhe des Verkehrswertesder Güter gestatten, so ergeben sich doch aus den Verschiedenheitenund den Veränderungen des Grades, in dem diese Voraussetzungenbei den einzelnen Gütern vorliegen, gewisse allgemein feststellbareTendenzen für die Bildung und Änderung der Austauschverhältnisse.

Sobald es sich nicht mehr um einen Tausch zwischen isoliertenWirtschaftssubjekten, sondern um Tauschvorgänge auf demMarkte", d. h. zwischen einer Mehrzahl von miteinander konkurrierenden In-dividuen auf beiden Seiten handelt, sind Angebot und Nachfrage dieFaktoren, welche unmittelbar die Austauschverhältnisse regulieren;je gröfser das Angebot, desto geringer ist im allgemeinen der zu er-zielende Gegenwert, weil mindestens ein Teil der Verkäufer sich liebermit einem geringeren Gegenwert zufrieden giebt, als dafs er auf seinerWare sitzen bleibt; je stärker die Nachfrage, desto höher ist im all-gemeinen der zu erzielende Gegenwert, weil mindestens ein Teil derKäufer gewillt ist, seine Nachfrage nötigenfalls auch zu höherenPreisen zu decken. Das Verhältnis ist jedoch nicht ganz so einfach,wie es auf den ersten Blick aussieht; es wirkt nämlich nicht nur die