12. Kapitel. Der Geldwert. § 3.
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objekteil in der Gestaltung von Nachfrage und Angebot, in der Ge-staltung von Geldbedarf und Geldversorgung zu suchen sind. Dieseran sich nicht viel besagende Satz erhält seinen Inhalt durch die aus-führliche Analyse, welche Geldbedarf und Geldversorgung in den beidenersten Kapiteln dieses Abschnitts erfahren haben. Aus einer Betrach-tung der Besonderheiten eines jeden dieser beiden Faktoren ergiebtsich für den Geldwert folgendes:
Die Geldversorgung ist bei dem metallischen Gelde im allgemeineneine relativ stabile Gröfse. Infolge der Dauerhaftigkeit der Edel-metalle haben sich im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende so er-hebliche Bestände an Edelmetall angehäuft, dafs die jährliche Neu-produktion und deren Schwankungen nur einen geringfügigen Ein-flufs auf den der Volkswirtschaft zur Verfügung stehenden Edel-metallvorrat ausüben. Nur ganz gewaltige Veränderungen in derEdelmetallgewinnung, wie sie durch die Entdeckung Amerikas und im19. Jahrhundert durch die Entdeckung der kalifornischen und austra-lischen Goldfelder hervorgerufen worden sind, können nachhaltige undmerkbare Verschiebungen herbeiführen. Soweit die Geldversorgungdurch Ausgabe papierner Scheine erfolgt, läfst sich etwas Allgemeinesnicht aussagen, da der Umfang und die Veränderungen der Geldver-sorgung hier von der Politik des Staates oder der Bank abhängt,welche die Scheine emittieren.
Die Nachfrage nach Geld, die von den oben geschilderten zahl-reichen und komplizierten Bedingungen abhängig ist, unterliegt sowohlim grofsen Lauf der Entwicklung der Volkswirtschaften, als auchinnerhalb der kürzeren Entwicklungsabschnitte gröfseren Verände-rungen. Was die Gesamtentwicklung des Geldbedarfs bei Völkern an-langt, die vollkommen zur Geldwirtschaft durchgedrungen sind, so be-obachten wir, dafs die einzelnen auf den Geldbedarf einwirkendenFaktoren geeignet sind, sich zu kompensieren. Die mit dem Fort-schreiten der Volkswirtschaft verbundene Zunahme einerseits der durchGeld zu vermittelnden Umsätze, andrerseits der Intensität der Aus-nutzung des Geldvorrates heben sich in ihrer Wirkung auf die Ge-samtgestaltung des Geldbedarfs bis zu einem gewissen Grade auf.
Hinsichtlich der Rückwirkung des für das Geld zu erzielenden Ge-genwertes auf die Geldversorgung kann an die Ausführungen erinnertwerden, die oben gelegentlich der Analyse der Geldversorgung gemachtworden sind. Der erste Faktor der Geldversorgung bei Ländern mitmetallischer Währung, die Neuproduktion von Edelmetall, kann nurin geringem Umfange durch die Gestaltung des für Geld zu erzielendenGegenwertes beeinflufst werden, nämlich nur so weit, als bei einerSteigerung des Gegenwertes, der ja auch in Arbeitskräften und bergbau-lichen Produktionsmitteln bestehen kann, die lohnende Ausbeutung ärmerer