494 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung' und Geldwert.
kehrsobjekten sich durchgesetzt und zu einer Erhöhung des für eingegebenes Geldquantum zu erzielenden Gegenwertes geführt haben,kann einem gesteigerten Geldbedarf durch die gleiche Geldmenge, dienunmehr einen erhöhten Verkehrswert repräsentiert, genügt werden;im umgekehrten Falle einer Minderung des Verkehrswertes des Geldeswird die gleiche Geldmenge durch einen geringeren Geldbedarf bean-sprucht. Der Geldbedarf der Volkswirtschaft richtet sich nicht aufeine bestimmte Menge an Edelmetallstückchen oder Papierscheinen,sondern darauf, dafs die vorhandene Geldmenge einen bestimmten Wertgegenüber den übrigen Verkehrsobjekten darstelle; deshalb kann jederbeliebige Geldbedarf mit jeder beliebigen Geldversorgung durch eineentsprechende Änderung im Austauschverhältnis zwischen dem Geldeund den übrigen Verkehrsobjekten ins Gleichgewicht gesetzt werden.Eine Diskrepanz zwischen Geldbedarf und Geldversorgung kann aufGrund dieser Sonderstellung des Geldes nur insoweit und solange statt-finden, als eine Veränderung der für das Austauschverhältnis wirksamenBestimmungsgründe sich in dem Austauschverhältnis selbst noch nichtvöllig durchgesetzt hat. Die Wirkungen einer solchen Unstimmigkeitsind weiter unten zu besprechen.
Der Gedanke, dafs der einer Volkswirtschaft zur Verfügungstehende Geldbestand sich durch Veränderungen seines Wertes demGeldbedarf anpassen könne und anzupassen strebe, liegt nahezu allenTheorien des Geldwertes zu Grunde. Die Mängel der einzelnen Theorienresultieren daraus, dafs die komplizierten Faktoren des Geldbedarfsund der Geldversorgung nicht richtig aufgefafst worden sind. Diealte Theorie Locke s glaubt den Geldbedarf einer Volkswirtschaftgegeben durch den gesammten Gütervorrat, gewisse neuere Spielartender „Quantitätstheorie" erblicken das veränderliche Moment unter denBestimmungsgründen des Geldwertes ausschliefslich oder ganz vor-wiegend in der Geldversorgung, wie sie durch die jeweilige Edelmetall-produktion — in Papierwährungen durch den Umfang der Papier-geldausgabe — dargestellt wird. Diese Theorien, die nur einen Faktorunter allen auf das Austauschverhältnis von Geld und Waren ein-wirkenden als ausschlaggebend ansehen und die zahlreichen Gegen-wirkungen übersehen oder wenigstens nicht ausreichend würdigen,müssen notwendiger Weise zu einer Überschätzung der Veränderlichkeitdes Geldwertes und damit zu einer Überschätzung der vom Gelde aus-gehenden Einwirkungen auf die Veränderungen der Preise u. s. w. ge-langen. Eine tiefer eindringende Analyse der Faktoren Geldbedarfund Geldversorgung und des zwischen diesen beiden Faktoren bestehen-den Wechselwirkungsverhältnisses, wie sie hier versucht worden ist,führt zu dem Besultat, dafs wohl bei kaum einem andern Gute die fürdas Austauschverhältnis massgebenden Bestimmungsgründe in ihrer